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Full text of "Der Stern"

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MÄRZ 1999 





SIEHE KINDERSTERN, SEITE 14 




AUF DEM UMSCHLAG 

Vorn: PV-Kinder und ihre Lehrerin. Hinten, oben links: Der ehema- 
lige Missionspräsident, John T. Kallunki, und Jennie Kallunki mit 
Henriette K. B. Bedie, der Frau des Präsidenten der Elfenbeinküste, 
Henri Konan Bedie. Oben rechts: Die Familie Tanoe am London- 
Tempel. Mitte: Mutter und Kind kommen zur Kirche. 

UMSCHLAG KINDERSTERN 

Diese beiden zehnjährigen Zwillinge, die hier mit ihrem Vater abge- 
bildet sind, fallen auf. Siehe „Ciaire und Laurence Küsseling aus 
Gournay in Frankreich", Seite 2. (Foto von Richard M. Romney.) 



MAGAZIN 

2 BOTSCHAFT VON DER ERSTEN PRÄSIDENTSCHAFT: WER JESUS LIEBT 

PRÄSIDENT THOMAS S. MONSON 

1 ZU EINER GEMEINDEFAMILIE GEHÖREN ELDER ROBERT D. HALES 
1 6 PIONIERE AN DER ELFENBEINKÜSTE ROBERT L. MERCER 

25 BESUCHSLEHRBOTSCHAFT: 

IN DER FÜLLE LEBEN UND UNS AUF DIE EWIGKEIT VORBEREITEN 

26 ANSCHAUUNGSMATERIAL, DAS MOTIVIERT JON R. HOWE 
28 WENN UNSERE KINDER IRREGEHEN ELDER JOHN K. CARMACK 

38 BROT FÜR DIE MISSIONARE MARCEUNO FERNÄNDEZ REBOLLOS SUÄREZ 



FÜR JUNGE LEUTE 

8 GOTT IST MIT MIR ANNA ALBANO 

1 5 TU, WAS ICH TUE 

40 DIE GUTE LISTE JACK WEYLAND 

46 IN DEN HÄNDEN DES HERRN KRISTOPHER SWINSON 

48 SEI EIN FREUND MARISSA D. THOMPSON 



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SIEHE SEITE 15 



KINDERSTERN 

FREUNDE IN ALLER WELT: CLAIRE UND LAURENCE KÜSSELING AUS 
GOURNAY IN FRANKREICH MARVIN K. GARDNER 

DAS MITEINANDER: JESUS CHRISTUS ZEIGT UNS DEN WEG 

SYDNEY S. REYNOLDS 



ERZAHLUNG: NICHT EIN HAAR 
DAS MACHT SPASS 



EMILY CANNON ORGILL 




1 2 FÜR UNSERE KLEINEN FREUNDE: DANIELS ENTSCHEIDUNG 

ANN WOODBURY MOORE 

PAPAS TRICK VIRA H. BLAKE 




SIEHE SEITE 40 



März 1999 125. Jahrgang Nummer 3 

DER STERN 99983 150 

Offizielle deutschsprachige Veröffentlichung der Kirche 

Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 

Die Erste Präsidentschaft: 

Gordon B. Hinckley, Thomas S. Monson, James E. Faust 

Das Kollegium der Zwölf: 

Boyd K. Packer, L. Tom Perry, David B. Haight, 

Neal A. Maxwell, Russell M. Nelson, Daliin H. Oaks, 

M. Russell Ballard, Joseph B. Wirthlin, Richard G. Scott, 

Robert D. Haies, Jeffrey R. Holland, Henry B. Eyring 

Chefredakteur: Marlin K. Jensen 

Redaktionsleitung: Jay E. Jensen, John M. Madsen 

Abteilung Lehrplan: 

Geschäftsführender Direktor: Ronald L. Knighton 

Direktor Planung und Redaktion: Richard M. Romney 

Direktor Künstlerische Gestaltung: Allan R. Loyborg 

Redaktion: 

Geschäftsführender Redakteur: Marvin K. Gardner 

Assist. Geschäftsführender Redakteur: R. Val Johnson 

Redakteur: David Mitchell 

Co-Redakteurin: Jenifer Greenwood 

Koordinatorin Redaktion/Produktion: Beth Dayley 

Assistentin Veröffentlichungen: Konnie Shakespear 

Redaktionsassistentin: Lanna J. Carter 

Gestaltung: 

Manager Graphische Gestaltung: M. M. Kawasaki 

Direktor Künsterische Gestaltung: Scott Van Kampen 

Layout: Sharri Cook 

Designer: Tadd R. Peterson 

Manager Produktion: Jane Ann Peters 

Produktion: Reginald J. Christensen, Thomas S. Groberg, 

Denise Kirby, Jason L. Mumford, Deena L. Sorenson 

Digitale Prepress: Jeff Martin 

Abonnements: 

Direktor: Kay W. Briggs 

Manager Versand: Kris Christensen 

Manager: Joyce Hansen 

Verantwortlich für Lokalteil: 

Beatrice Kopp-Blaser, 

Hauptstr. 41, CH-4566 Kriegstetten, Schweiz 

Tel.: (Schweiz)-(O) 32-6753334 

Vertrieb: 

Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 

Industriestr. 21, D-61381 Friedrichsdorf 

Leserservice: 

Tel.: (06172) 7103-23; Fax: (06172) 7103-44 

Jahresabonnement: 

DEM 21,00; ATS 147,00; CHF 21 ,00 

Bezahlung erfolgt an die Gemeinde bzw. den Zweig 

oder auf eines der folgenden Konten: 

D Commerzbank Frankfurt, 

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A Erste Osterreichische Spar-Casse-Bank 

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CH Schweizerischer Bankverein, Birsfelden, 

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Adressenänderung bitte einen Monat im voraus melden 

Manuskripte und Anfragen: International Magazines, 
50 East North Temple, Floor 25, Salt Lake City, UT 
84150-3223, USA; or e-mail to CUR-Liahona- 
IMag@ldschurch.org 

Die Internationale Zeitschrift der Kirche, deutsch „DER 
STERN", erscheint monatlich auf chinesisch, dänisch, 
deutsch, englisch, finnisch, französisch, holländisch, itali- 
enisch, japanisch, koreanisch, norwegisch, portugiesisch, 
samoanisch, schwedisch, spanisch und tongaisch; zwei- 
monatlich wird sie auf indonesisch und thai veröffentlicht, 
vierteljährlich auf bulgarisch, cebuano, fidschi, gilberte- 
sisch, isländisch, polnisch, rumänisch, russisch, tagalog, 
tschechisch, ukrainisch, ungarisch und vietnamesisch. 
(Erscheinen variert nach Sprache.) 

© 1 999 by Intellectual Reserve, Inc. All rights reserved. 
Printed in the United States of America. 

For Readers in the United States and Canada: 

March 1 999 vol. 1 25 no. 3. DER STERN (USPS 311- 
480) German (ISSN 1044-338X) is published monthly by 
The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, 50 East 
North Temple, Salt Lake City, UT 84150. USA subscrip- 
tion price is $10.00 peryear; Canada, $14.00. 
Periodicals Postage Paid at Salt Lake City, Utah. Sixty days' 
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taken by phone. 

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Distribution Center, Church Magazines, PO Box 26368, 
Salt Lake City, UT 84126-0368. 



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DURCH UNSERE PRÜFUNGEN GESEGNET 

Als ich im Mai 1998 die Botschaft von 
der Ersten Präsidentschaft von Präsident 
James E. Faust mit dem Titel „Not und 
Unglück können Segen bringen" las, wurde 
mir bewußt, wie sehr unser Vater im Himmel 
uns liebt und welch große Erkenntnis unsere 
Führer uns vermitteln. Ich liebe meine 
Führer - auf örtlicher Ebene genauso wie die 
Generalautoritäten - weil sie mir helfen, ein 
besserer Mensch zu werden. 

Dieser Artikel hat mich daran erinnert, 
wie sehr ich gelitten habe, als ich meinen 
Vater verlor, aber er hat mir auch vermittelt, 
wie wundervoll es sein wird, für immer mit 
ihm Zusammensein zu können. 

Alles, was wir hier erleben, kann uns 
helfen, Fortschritt zu machen. Prüfungen 
können uns lehren, wie wundervoll unsere 
Segnungen sind. Jetzt, als Vollzeitmissionar, 
vermittle ich anderen diese Wahrheiten. 

Eider Marcelo Lewa, 
Chile-Mission Osomo 

NEGATIVE EINFLÜSSE ÜBERWINDEN 

Seit ich den Liahona (englisch) lese, 
interessiere ich mich immer mehr dafür, die 
Artikel in jeder Ausgabe zu lesen. Sie 
helfen mir, Glauben an Jesus Christus zu 
entwickeln und zu erkennen, wie ich die 
negativen Einflüsse um mich herum 
überwinden kann. Ich werde dadurch 
stärker und kann mich meinen täglichen 
Aufgaben besser stellen. 

Eidrick B. Bongcawel, 

Zweig San Mateo, 

Distrikt Montalban, Philippinen 



DIE WAHRE KIRCHE FINDEN 

Ich wollte immer von Gottes Plan für 
die Menschheit wissen. Viele Jahre lang 
habe ich aufrichtig in mehreren Kirchen 
nach Gottes Plan gesucht, aber ihre Lehren 
haben mir nie so recht zugesagt. Jetzt 
gehöre ich, dank der Eingebungen des 
Heiligen Geistes, der Kirche Jesu Christi 
der Heiligen der Letzten Tage an, und ich 
weiß, daß dies die wahre Kirche Jesu Christi 
ist. Ich hoffe, daß ich immer ein würdiges 
Mitglied der Kirche des Herrn sein kann. 

Ich warte ungeduldig auf Ihre nächste 
Ausgabe des EEtoile (französisch) . 

Degazon Nisthone, 
Gemeinde Carrefour-Feuilles, 
Pfahl Port-au-Prince, Haiti 




INSPIRIERENDE BEISPIELE FÜR 
VERGEBUNGSBEREITSCHAFT 

Danke für den wundervollen Artikel 
„Das vergebungsbereite Herz" im A Liahona 
(portugiesisch) vom Juni 1998. Das Beispiel 
von Bruder Paul Hulme war wunderbar. 

Als ich las, wie großzügig der Prophet 
Joseph Smith William W. Phelps vergeben 
hat, wurde mein Zeugnis davon, daß 
Joseph Smith ein Prophet Gottes war, 
erneut bekräftigt. Mir wurde noch mehr 
bewußt, was das Lied „Preiset den Mann" 
(Gesangbuch, Nr. 17) bedeutet, das Bruder 
Phelps geschrieben hat. Er kannte die 
Liebe und Güte des Propheten Joseph 
Smith wirklich. 

Renilee A. C. L. de Moraes, 
Gemeinde Araucaria, 
Pfahl Curitiba Brasilien Luz 



MÄRZ 1999 
1 



BOTSCHAFT VON DER ERSTEN PRÄSIDENTSCHAFT 



Wer Jesus 
Liebt 



Präsident Thomas S. Monson 

Erster Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft 

n der sonnigen Sommerzeit auf der Autobahn zu fahren ist oft ein 
angenehmes Erlebnis. Da kann man die majestätischen Berge sehen 
oder die faszinierenden Wellen des Meeres - vielleicht beides auf einer 
einzigen Fahrt. Wenn allerdings starker Verkehr herrscht, bleibt die 
Schönheit der Berge und des Wassers unbeachtet, und die Aufmerksamkeit 
konzentriert sich auf den Wagen vor uns. Das war der Fall, als ich mit viel 
Interesse den Aufkleber auf dem Auto vor mir las, leicht sichtbar auf der 
glänzenden, verchromten Stoßstange des Wagens, der ständig ausscherte und 
sich wieder einfädelte. Der Text lautete: „Hupe, wenn du Jesus liebst." 
Niemand hupte. Vielleicht waren alle von der Rücksichtslosigkeit des rüden 
Fahrers unangenehm berührt. Und außerdem, wäre Hupen ein geeignetes 
Zeichen dafür, daß man den Sohn Gottes liebte, den Erretter der Welt, den 
Erlöser aller Menschen? Jesus von Nazaret war doch ganz anders. 




Jesus hat gelehrt: 

„Du sollst den Herrn, 

deinen Gott, lieben mit 

ganzem Herzen, mit 

ganzer Seele und mit all 

deinen Gedanken. Das ist 

das wichtigste und erste 

Gebot. Ebenso wichtig 

ist das zweite: Du sollst 

deinen Nächsten lieben 

wie dich selbst." 



DIE LIEBE DES ERRETTERS 



Wie wichtig es ist, daß man Tag für Tag wahre und beständige Liebe 
beweist, lehrte der Meister überzeugend, als der wißbegierige Gesetzeslehrer 

MÄRZ 1999 
3 



vortrat und ihn kühn fragte: „Meister, welches Gebot im 
Gesetz ist das wichtigste?" 

Matthäus berichtet: „Er antwortete ihm: Du sollst den 
Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit 
ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. 

Das ist das wichtigste und erste Gebot. 

Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen 
Nächsten lieben wie dich selbst." 1 

Markus schließt den Bericht mit den Worten des 
Erretters: „Kein anderes Gebot ist größer als diese 
beiden." 2 

An seiner Antwort gab es nichts zu bemängeln. Seine 
Handlungsweise machte seine Worte glaubwürdig. Er 



bewies seine wahre Gottesliebe, indem er ein vollkom- 
menes Leben führte und die heilige Mission ehrte, die 
ihm aufgetragen war. Nie war er hochmütig. Nie war er 
aufgeblasen. Immer war er demütig. Immer war er 
aufrichtig. Immer war er treu. 

Er ließ sich zwar vom Geist in die Wüste führen, um 
dort vom Meister der Täuschung, nämlich vom Teufel, 
versucht zu werden, und er war zwar durch sein vier- 
zigtägiges Fasten geschwächt, und es hungerte ihn, 
aber als der Böse ihm die verlockendsten Angebote 
machte, gab er uns ein Beispiel wahrer Gottesliebe und 
weigerte sich, von dem, was er als recht erkannt hatte, 
abzuweichen. 3 



FOTOS VON JED CLARK UND LONGIN LONCZYNA JUN. 




Heute besteht die Herausforderung, der wir 
uns stellen müssen, darin, daß wir auf dem 
Schlachtfeld des Lebens so leben und dienen, daß 
unser Leben und Handeln wahre Liebe zu Gott und zu 
seinem Sohn Jesus Christus und zu unseren 
Mitmenschen widerspiegeln. 




Jesus segnete während seines irdischen Wirkens die 
Kranken, er gab den Blinden das Augenlicht wieder, 
machte, daß die Tauben hörten und die Lahmen 
gingen. Er lehrte Vergebungsbereitschaft, indem er 
vergab. Er lehrte Mitgefühl, indem er mitfühlend war. 
Er lehrte Hingabe, indem er sich selbst hingab. 

Jesus segnete während seines irdischen Wirkens die 
Kranken, er gab den Blinden das Augenlicht wieder, 
machte, daß die Tauben hörten und die Lahmen gingen. Er 
lehrte Vergebungsbereitschaft, indem er vergab. Er lehrte 
Mitgefühl, indem er mitfühlend war. Er lehrte Hingabe, 
indem er sich selbst hingab. Jesus lehrte durch sein Beispiel. 

Wenn wir das Leben des Herrn betrachten, könnte jeder 
von uns mit den Worten des bekannten Liedes sprechen: 

Erstaunt und bewundernd erkenne ich Jesu Lieb; 
die Huld meines Heilands, die Gnade verwirret mich. 
Mit Beben erblick ich für mich ihn gekreuzigt, 
für mich, für den Sünder, erlitt er den bittren Tod. 4 



Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde 
hingibt." 5 

Heute besteht die Herausforderung, der wir uns stellen 
müssen, nicht darin, daß wir in die Schlacht ziehen und 
unser Leben hingeben, sondern darin, daß wir auf dem 
Schlachtfeld des Lebens so leben und dienen, daß unser 
Leben und Handeln wahre Liebe zu Gott und zu seinem 
Sohn Jesus Christus und zu unseren Mitmenschen wider- 
spiegeln. Dazu reicht es aber nicht aus, einfach einen 
schlauen Aufkleber auf unser Auto zu kleben. 

Jesus lehrt einen jeden von uns: „Wenn ihr mich liebt, 
werdet ihr meine Gebote halten — 

Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der 
mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater 
geliebt werden, und auch ich werde ihn lieben und mich 
ihm offenbaren." 6 

Vor Jahren haben wir zu einem beliebten Lied getanzt, 
in dem es hieß: „Man sagt so leicht, ich liebe dich, so 
leicht, ich bleib dir treu, man sagt das einfach so dahin, 
doch was man tut, das bleibt." 

Aus dem Unterricht in der PV bleibt uns dieses 
Gedicht mit dem Titel „Wer hat sie am meisten lieb?" im 
Gedächtnis. 



UNSERE LIEBE ZEIGEN 

Müssen wir, um unsere Dankbarkeit zu beweisen, 
ebenso wie er unser Leben niederlegen? Manche tun das. 

In der schönen Stadt Melbourne in Australien steht 
ein sehr eindrucksvolles Kriegerdenkmal aus früherer 
Zeit. Wenn man durch die stillen Wandelgänge der 
Gedenkstätte geht, sieht man marmorne Tafeln, auf 
denen die tapferen Taten derer verzeichnet sind, die das 
höchste Opfer gebracht haben. Man kann beinah das 
Brüllen der Kanonen, das Pfeifen der Geschosse, die 
Schreie der Verwundeten hören. Man spürt die aufat- 
mende Siegesfreude, zugleich aber auch die Verzweiflung 
der Niederlage. 

Mitten in der Haupthalle, weithin sichtbar, ist die 
Botschaft der Gedenkstätte zu lesen. Das Oberlicht läßt 
die Worte gut erkennen. Der Text springt einem gera- 
dezu in die Augen. Sie lauten: „Es gibt keine größere 



„Ich hob' dich lieb, Mutti", sagt der kleine Tom; 
dann vergißt er die Arbeit und läuft davon. 
Die Mutter muß schaffen, sie darf nicht ruh'n, 
der Junge will spielen und weiter nichts tun. 

„Ich hob' dich lieb, Mutti", sagt der kleine Jan, 
„weit mehr, als ich dir mit Worten sagen kann." 
Doch dann ärgert er seine arme Mutter so sehr, 
daß diese sagt: „Ich kann nicht mehr." 

„Ich hob' dich lieb, Mutti", sagt die kleine Ann, 
„ich will dir helfen, so gut ich kann. 
Ich muß heute nicht zur Schule gehn, 
deshalb will ich nach dem Baby sehn. " 

Dann holt sie den Besen und fegt alles rein, 
besser und sauberer könnt' es nicht sein. 



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5 




Um zu verstehen, wie und warum der Freiberg- 
Tempel gebaut werden konnte, muß man den 
Glauben, die Hingabe, die Liebe der Mitglieder der 
Kirche dort kennen. Es sind nicht einmal fünftausend, 
aber an Aktivität übertreffen sie alle übrigen auf der 
ganzen Welt. 

Den ganzen Tag hilft sie und singt ein Lkd, 
glücklich und fröhlich, wie jeder sieht. 

»Ich hab dich lieb, Mutti", tönt es laut im Chor, 
die drei sind im Bett, und die Mutter liest vor. 
Was meint ihr wohl, was die Mutter denkt, 
wer von den dreien ihr wirklich Liebe schenkt? / 

Die Jahre vergehen. Die Kindheit entschwindet. Die 
Wahrheit bleibt. Der Übergang von dem PV- Gedicht zu 
den Wahrheiten von heute fällt nicht schwer. Wahre 
Liebe ist immer noch der äußere Ausdruck einer inneren 
Überzeugung. 

GEBET DER WEIHUNG 

Auf einem sanften Hügel in der alten Stadt Freiberg in 
Deutschland steht jetzt ein schöner, geweihter Tempel 
Gottes, Der Tempel macht den treuen Heiligen die höch- 
sten., 'die ewigen Segnungen, des liebenden himmlischen 
Vaters zugänglich. 

\fct Jahren, am 27, April 1975, einem Sonntagmorgen, 
stand idh auf eitteift blanken Felsen zwischen Meißen und 
Dresden, hoch über der Elbe, Ich ließ mich vom Geist 
inspirieren und sprach ein Weihungsgebet über das Land 
und sein Volk, In dem Gebet wurde der Glaube der 
Mitglieder erwähnt, vnä es machte die Gefühle vieler 
Herien deutlich, die eine überwältigende Sehnsucht nach 
den Segnungen des Tempels hatten. Eine Bitte um 
Frieden wurde voigebtacht. Die Hilfe Gottes wurde 
erbeten. Ich sprach die Worte aus: „Lieber Vater, laß dies 
den Beginn eines neuen Tages für die Mitglieder deiner 
Kirche in diesem Land sein." 



Zur Zeit der Weihung richtete sich die Aufmerksamkeit 
der internationalen Presse auf diesen Tempel in seiner 
ungewöhnlichen Situation. Man hörte oft fragen: Wie? 
und Warum? Das zeigte sich besonders deutlich 
während der Woche der offenen Tür, als 89872 
Besucher kamen, um den Tempel anzusehen. 

Plötzlich begann tief unten im Tal eine Kirchenglocke 
zu läuten, und das schrille Krähen eines Hahns durch- 
brach die morgendliche Stille - beides verkündete das 
Anbrechen des neuen Tages. Ich hatte zwar die Augen 
geschlossen, aber ich spürte, wie die warmen Strahlen der 
Sonne mein Gesicht berührten, meine Hände, meine 
Arme. Wie konnte das sein? Den ganzen Morgen hatte es 
unaufhörlich geregnet. Nach dem Gebet blickte ich zum 
Himmel auf. Ich bemerkte einen Sonnenstrahl, der den 
Weg durch eine Lücke in den schweren Wolken gefunden 
hatte. Der Strahl fiel auf unsere kleine Gruppe. Von dem 
Augenblick an wußte ich, daß göttliche Hilfe nahe war. 

Die staatlichen Behörden ließen uns ihre volle 
Unterstützung zukommen. Präsident Kimball und seine 
Ratgeber gaben begeistert ihre Zustimmung. Ein Tempel 
wurde geplant, ein Grundstück ausgesucht; dann kam 
der erste Spatenstich, und der Bau wurde begonnen. 
Zur Zeit der Weihung richtete sich die Aufmerksamkeit 
der internationalen Presse auf diesen Tempel in seiner 
ungewöhnlichen Situation. Man hörte oft fragen: Wie? 
und Warum? Das zeigte sich besonders deutlich 
während der Woche der offenen Tür, als 89872 
Besucher kamen, um den Tempel anzusehen. Zeitweise 
standen sie bis zu drei Stunden in der Schlange, 
manchmal auch im Regen. Keiner ging weg; allen 
wurde das Haus Gottes gezeigt. 

BEISPIELE DER LIEBE 

Als dann die Weihungsgottesdienste stattfanden und 
Präsident Gordon B. Hinckley das Weihungsgebet 

sprach, prägten Lobeshymnen, Zeugnisse von der 
Wahrheit, Tranen der Dankbarkeit und Dankgebete 



DER 



STERN 

6 



dieses historische Ereignis. Um zu verstehen, wie, und zu 
erfassen, warum, muß man den Glauben, die Hingabe, 
die Liebe der Mitglieder der Kirche dort kennen. Es sind 
nicht einmal fünftausend, aber an Aktivität übertreffen 
sie alle übrigen auf der ganzen Welt. 

In den vielen Jahren, in denen ich für dieses Gebiet 
zuständig war, habe ich bemerkt, daß es keine geräu- 
migen Gemeindehäuser mit vielen Klassenzimmern gab, 
keine Kirchengrundstücke mit grünem Rasen und 
Blumenbeeten. Die Gemeindebibliotheken bestanden 
ebenso wie die Privatbibliotheken der Mitglieder nur aus 
den heiligen Schriften, einem Gesangbuch und ein, zwei 
sonstigen Büchern. Diese Bücher blieben aber nicht in den 
Regalen. Das, was sie lehren, war den Mitgliedern ins Herz 
geschrieben. Es fand im Alltagsleben der Heiligen seinen 
Ausdruck. Sie freuten sich, wenn sie dienen konnten. Ein 
42jähriger Zweigpräsident hatte 21 Jahre lang in seiner 
Berufung gedient - sein halbes Leben lang. Niemals eine 
Klage - nur Dankbarkeit. Als an einem kalten Wintertag 
im Gemeindehaus in Leipzig die Heizung ausfiel, wurden 
die Versammlungen nicht etwa abgesagt, sondern die 
Mitglieder saßen dicht gedrängt im Mantel da; sie sangen 
die Zionslieder und verehrten ihn, der gesagt hat: „Werdet 
nicht müde, Gutes zu tun!" - "Kommt her, folgt mir nach!" 
- "Sei demütig, dann wird der Herr, dein Gott, dich an der 
Hand fuhren und dir auf deine Gebete Antwort geben." 8 

Der Apostel Paulus hat den Korinthern erklärt: „Wer 
aber Gott liebt, der ist von ihm erkannt." 9 Die Liebe, die 
diese treuen Mitglieder Gott, seinem Sohn Jesus Christus 
und seinem immerwährenden Evangelium entgegen- 
brachten, bewiesen sie durch die Art und Weise, wie sie 
lebten. Das erinnert mich an die Liebe, die der Bruder 
Jareds im Buch Mormon zum Ausdruck bringt. Die 
Segnungen des lebenden, anteilnehmenden, gerechten 
himmlischen Vaters konnten einfach nicht zurückge- 
halten werden. Der Glaube ging dem Wunder voran. 
Jetzt werden die ewigen heiligen Handlungen vollzogen. 
Immerwährende Bündnisse werden geschlossen. Die 
Liebe Gottes ist seinem Volk abermals ein Segen. 

Für alle, die Jesus lieben, sind die folgenden propheti- 
schen Worte von erhabener Bedeutung: 



,yernehmt, o ihr Himmel, und schenke Gehör, o Erde, 
und freut euch, ihr Erdenbewohner, denn der Herr ist 
Gott, und außer ihm gibt es keinen Erretter. 

Groß ist seine Weisheit, wunderbar sind seine Wege — 

Seine Vorhaben schlagen nicht fehl — 

Denn so spricht der Herr: Ich, der Herr, bin barm- 
herzig und gnädig zu denen, die mich fürchten, und es 
freut mich, die zu ehren, die mir in Rechtschaffenheit 
und Wahrheit bis ans Ende dienen. 

Groß wird ihr Lohn sein und ewig ihre Herrlichkeit." 10 

Das ist der Segen, der denen vorbehalten ist, die Jesus 
lieben. Möge ein jeder von uns für diesen großen Lohn, 
diese ewige Herrlichkeit würdig sein. D 

FUSSNOTEN 

1. Matthäus 22:36-39. 

2.Markus 12:31. 

3. Siehe Matthäus 4:1-11. 

4. "Erstaunt und bewundernd", (Gesangbuch, Nr. 118.) 

5. Johannes 15:13. 

ö.Johannes 14:15, 21. 

7.Joy Allison, in Best-Loved Poems ofthe LDS People, Hg. 
Jack M. Lyon et al. (1996), 217f. 

8.2 Thessalonicher 3:13; Matthäus 4:19; LuB 112:10. 

9.1 Korinther 8:3. 

lO.LuB 76:1-3, 5, 6. 

FÜR DIE HEIMLEHRER 

1. Jesus hat gelehrt: „Du sollst den Herrn, deinen 
Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und 
mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste 
Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen 
Nächsten lieben wie dich selbst." (Matthäus 22:37-39.) 

2. Der Herr hat gesagt: „Wer meine Gebote hat und sie 
hält, der ist es, der mich liebt." (Johannes 14:21.) 

3. Wir müssen dem Herrn die gleiche Liebe entgegen- 
bringen wie die treuen Heiligen, die nach dem Zweiten 
Weltkrieg in der DDR lebten. 

4. Der Herr hat gesagt: „Ich, der Herr, bin barmherzig 
und gnädig zu denen, die mich fürchten, und es freut 
mich, die zu ehren, die mir in Rechtschaffenheit und 
Wahrheit bis ans Ende dienen." (LuB 76:5.) 



MÄRZ 1999 

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Es war der Morgen der Prüfung, 
und ich packte rasch meinen 
Rucksack. Nein, ich vergaß 
nichts - weder meine Lehrbücher 
noch meine Brille und auch nicht 
mein geliebtes Buch Mormon. Ich 
hatte alles bei mir - auch die Angst, 
die immer schlimmer wurde, sobald 
ich das Universitätsgebäude vor 
mir sah. 

Es war noch früh; der Professor 
war noch nicht gekommen, aber 
andere Studenten warteten mit mir. 
Alle anderen unterhielten sich 
miteinander, nur ich saß schweigend 
da und war der Panik nahe. Jetzt 
gab es kein Zurück mehr. Diese 
Prüfung war zu wichtig für mich und 
meine Familie. Ich mußte meinen 
Verwandten zeigen, daß ich mein 
Studium trotz meiner vielen kirchli- 
chen Verpflichtungen nicht vernach- 
lässigt hatte. Ich mußte diese 
mündliche Prüfung bestehen - aber 
die Angst nahm mir die Fähigkeit, zu 
lächeln und mich an das, was ich 
gelernt hatte, zu erinnern. 

Ich blickte aus dem Fenster. Der 
Himmel über Neapel, meiner wunder- 
vollen Heimatstadt, war unglaublich 
blau, und ich dachte unwillkürlich an 
Gott. Mehrere Minuten lang schaute 
ich in die unendliche Weite des 
Himmels und sprach mit meinem 
himmlischen Vater. Friede überkam 
mich. Ich spürte mit Gewißheit, daß 
Gott mit mir war. 

Während die anderen Studenten 
sich weiter miteinander unter- 
hielten, nahm ich das Buch Mormon 
aus dem Rucksack und begann zu 
lesen. Ich war mir der Menschen um 
mich herum allmählich gar nicht 
mehr bewußt, so sehr tröstete mich 
das, was ich da in den heiligen 
Schriften las. Plötzlich erschütterte 
mich ein Gedanke: „Es ist sinnlos, 



wenn du hier bleibst. Du kannst die 
Fragen des Professors ja doch nicht 
beantworten. Geh lieber. Mach die 
Prüfung im nächsten Monat." Ich 
beging den Fehler zuzuhören, und 
wieder fühlte ich mich sehr allein 
und der Panik nahe. Die Worte 
durchdrangen mich, und ich war im 
Begriff, mein Buch Mormon zuzu- 
schlagen und zu gehen, weil ich 
meinte, ich würde es ja doch nicht 
schaffen. 

Da dachte ich an mein Gebet zum 
himmlischen Vater, bei dem ich doch 
solchen Frieden gespürt hatte. Mit 
ganzer Kraft schrie ich im Herzen: 
„Gott ist mit mir." 

Diesmal wurde ich von Freude 
erfüllt und hatte keine Angst mehr. 
Alle meine Sorgen entschwanden im 
warmen Licht des himmlischen 
Trosts. 

Endlich kam der Professor. Als ich 
an der Reihe war, ging ich mit einem 
Blick in sein Büro, der nur ein leiser 
Schimmer des Friedens war, den ich 
im Herzen hatte. Und ich kam mit 
einem strahlenden Lächeln wieder 
heraus. Ich hatte alle Fragen des 
Professors beantwortet und die 
höchste Punktzahl erreicht. 

Entmutigung ist eine der stärk- 
sten Waffen des Satans. Er muß 
gewußt haben, daß, wenn er sein Ziel 
diesmal erreicht hätte, meine 
Familie gemeint hätte, sie hätte 
wirklich einen Grund, die Kirche zu 
kritisieren. 

Aber mit der Hilfe des himmli- 
schen Vaters habe ich Zweifel und 
Entmutigung überwunden. Jetzt 
weiß ich, wenn ich mein Teil tue, 
hilft der himmlische Vater mir. Ich 
brauche mich nicht zu fürchten. Ich 
kann mir keine größere Freude 
vorstellen, als zu wissen, daß Gott 
mit mir ist. D 



MÄRZ 1999 
9 



ZU EINER 

Gemeindefamilie 



♦ ♦ 



GEHÖREN 



Eider Robert D. Haies 

vom Kollegium der Zwölf Apostel 



Die Möglichkeiten, uns in unserer 
Gemeinde beziehungsweise unserem 
Zweig um andere zu kümmern und mit 
ihnen Gemeinschaft zu pflegen, sind 
grenzenlos, wenn wir bereit sind, uns in 
Liebe und Dienen zu engagieren. 

Die Botschaft, die die Kirche Jesu Christi der 
Heiligen der Letzten Tage ihren Mitgliedern 
vermittelt, kennt in Wirklichkeit keine Grenzen, 
was den Familienstand oder andere Lebensumstände 
betrifft. Diese herrliche Botschaft besagt, daß der himmli- 
sche Vater und Jesus leben und daß sie einen jeden von 
uns ganz persönlich lieben. Das Evangelium Jesu Christi ist 
wiederhergestellt worden, damit ein jeder von uns die 
Erkenntnis und die heiligen Handlungen haben kann, die 
er braucht, um in die Gegenwart Gottes des Vaters und 
seines Sohnes Jesus Christus zurückkehren zu können. 
Manche der Kinder unseres Vaters sind verheiratet, 
manche sind alleinstehend - aber das Evangelium ist für 
alle dasselbe; die Lehren sind für alle dieselben. 

Als ich vor über 20 Jahren als Generalautorität 
berufen wurde, war ich für die Alleinstehenden 
Erwachsenen in der Kirche zuständig. Ich habe von den 
wundervollen Brüdern und Schwestern, mit denen ich 
gemeinsam gedient habe, viel gelernt. Ich hatte und habe 
viele Möglichkeiten, von ihnen zu lernen - was ihre 

Wenn wir einen anderen aufrichten, der in Not ist, 
kann das die Gefühle der Einsamkeit und 
Unzulänglichkeit vertreiben - und dann können 
Hoffnung, Liebe und neuer Mut an ihre Stelle treten. 



besonderen Lebensumstände, ihre Gefühle und 
Segnungen, ihre Herausforderungen und Möglichkeiten 
betrifft. Ich habe erlebt, daß manche Brüder und 
Schwestern sich in ihren Kokon zurückgezogen haben und 
in Bitterkeit, Einsamkeit oder Verzweiflung leben. Und ich 
habe erlebt, wie andere sich aufschwingen und ihre 
Mitmenschen aufbauen und stärken und das Leben eines 
jeden, mit dem sie in Berührung kommen, heller machen. 
Ich hatte teil an ihrer Freude, wenn sie mir von ihren 
Erfolgen erzählten, und ich vergoß mit ihnen Tränen, 
wenn sie mir ihr beunruhigtes Herz öffneten und über die 
Schmerzen und die Enttäuschung darüber sprachen, daß 
ihnen nicht alle Wünsche ihres Herzens erfüllt wurden. 

Manche, die Schmerzen durchleiden, haben vielleicht 
das Gefühl, die Führer der Kirche hätten kein 
Verständnis für ihre Prüfungen und Bedrängnisse. Aber 
sie liegen uns wirklich sehr am Herzen. 

In den letzten 20 Jahren habe ich auch viel darüber 
gelernt, wie sehr jeder einzelne von uns dem Herrn am 
Herzen liegt. Allmählich wird mir klar, daß jeder einzelne 
von uns seine Herausforderungen, seinen Schmerz, seine 
Schwierigkeiten hat. Niemand ist von der Realität der 
Sterblichkeit ausgenommen. „Denn es muß notwendi- 
gerweise so sein, daß es in allem einen Gegensatz gibt." 
(2Nephi2:ll.) 

Wenn wir uns klarmachen, welcher große Segen die 
Taufe ist, kann uns das aufmuntern. Bei der Taufe sind 
wir von der Welt ins Reich Gottes übergewechselt. Im 
Reich Gottes kann jeder errettet werden, wie seine 
Lebensumstände auch sein mögen: verheiratet, alleinste- 
hend, mit Kindern, ohne Kinder, reich, arm, jung oder alt 
- die Möglichkeiten sind endlos. Es gibt fast so viele 
Kategorien, wie es Menschen gibt. Aber wir sind alle 



MÄRZ 19 9 9 



11 



Kinder des liebenden himmlischen Vaters, der möchte, 
daß wir es schaffen, in seine Gegenwart zurückzukehren. 
In der Hinsicht sind wir alle gleich. Wir sind nicht allein. 
Wir werden alle geliebt. 

Wir müssen achtgeben, daß wir uns nicht mit einem 
Etikett versehen, das einen Zustand oder eine Kategorie 
bezeichnet, die uns von anderen unterscheiden und uns 
möglicherweise aus der Gesamtheit der Kirche ausson- 
dern. Wir hören beispielsweise manchmal, daß alleinste- 
hende Mitglieder ihre Gemeinde als „Familiengemeinde" 
bezeichnen, womit sie meinen, daß die Gemeinde zum 
größten Teil aus verheirateten Männern und Frauen mit 
Kindern besteht. Wäre es nicht besser, wenn wir es alle 
so sehen würden, daß wir zu einer „Gemeindefamilie" 
gehören, die aus Erwachsenen, Jugendlichen und 
Kindern - einzelnen Brüdern und Schwestern - besteht, 
die einander alle wichtig sind und die einander stärken? 
Gottes Liebe ist unendlich, sie läßt sich nicht durch 
Zustände oder Kategorien einschränken. 

Wir gehören alle zur Gemeinschaft der Heiligen, wir 
alle brauchen einander, und wir arbeiten alle auf dasselbe 
Ziel hin. Jeder von uns könnte sich aufgrund seines 
Andersseins von seiner Gemeindefamilie lossagen. Aber 
wir dürfen uns nicht aufgrund der Unterschiede, die wir an 
uns erkennen, ausschließen oder uns von Möglichkeiten 
fernhalten. Lassen wir doch lieber andere an unseren 
Talenten teilhaben, bringen wir ihnen Hoffnung und 
Freude, und bauen wir damit auch uns selbst auf. 

Früh an einem Morgen habe ich mich einmal mit 
meiner Frau darüber unterhalten, daß unsere Eltern 
verstorben - und wir somit Waisen waren. Wir kamen 
aber zu dem Schluß, daß sich das für uns, die wir beide 
über sechzig waren, nicht so auswirkte wie auf jemanden, 
der noch ein Kleinkind oder ein Jugendlicher ist. Wir 
waren dem Waisenstatus entwachsen. Er behinderte 
unsere Entwicklung nicht weiter. 

Genauso erkennen wir irgendwann, daß die Tatsache, 
daß wir alleinstehend sind, unsere Entwicklung auch 
nicht weiter behindert. Indem wir auf unseren Status 
als Alleinstehende Nachdruck legen, können wir uns 
praktisch zu Waisen machen und uns einsam fühlen. 



Einsamkeit im Reich Gottes ist häufig ein selbstaufer- 
legtes Exil. 

Wir hoffen, daß es jedem von Ihnen ein 
Herzensanliegen ist, zur Gemeindefamilie zu gehören 
und Ihre einzigartigen Talente einzubringen - zum 
Nutzen aller unserer Brüder und Schwestern. Die 
Möglichkeiten, uns in unserer Gemeinde beziehungs- 
weise unserem Zweig um andere zu kümmern und mit 
ihnen Gemeinschaft zu pflegen, sind grenzenlos, wenn 
wir bereit sind, uns in Liebe und Dienen zu engagieren. 

Vor ein, zwei Jahren waren wir zusammen mit unserer 
weitläufigeren Verwandtschaft in einem Farmhaus. Alle 
Familienmitglieder machten bei den Aktivitäten mit - 
bis auf einen Enkel. Er kam eines Nachmittags in die 
Küche geschlendert und erklärte seiner Großmutter: 
„Ich langweile mich." Damit hatte er einen Zustand 
beschrieben, in den er sich selbst versetzt hatte. 

Statt zu versuchen, ihn in den nächsten Tagen zu 
unterhalten, bewies seine Großmutter große Weisheit, 
als sie nämlich die Gelegenheit wahrnahm, ihn etwas 
sehr Wichtiges zu lehren. Erstens gab sie ihm einen 
Besen, damit er bei der Arbeit helfen konnte; dann gab 
sie ihm ein Blatt Papier und einen Stift und bat ihn, sich 
an den Küchentisch zu setzen. Sie wies auf die Liste der 
Familienaktivitäten hin, die an der Kühlschranktür hing. 
Sie bat ihren Enkel, alle Aktivitäten aus der Liste, bei 
denen er gern mitmachen wollte, aufzuschreiben. Die 
Liste war lang. Dann bat sie ihn, außerdem noch alles 
aufzuschreiben, was er gern selbst schaffen wollte. Die 
Liste wuchs. Bald hatte er reichlich interessante 
Aktivitäten und war sehr beschäftigt. 

Mit der Liste in der Hand machte er eifrig mit und 
langweilte sich nicht mehr. Seine Großmutter hatte ihn 
liebevoll gelehrt, selbst die Verantwortung dafür zu über- 
nehmen, daß er glücklich war, und sich nicht davon 
abhängig zu machen, daß andere Freude und Glück in 
sein Leben brachten. 

Wenn Sie einen anderen lieben und trösten, der in 
Not ist, wird der Geist des Herrn mit Ihnen sein und 
werden Sie selbst Liebe und Trost finden. 



DER STERN 
12 




MÄRZ 1999 
13 



Diese Erfahrung können wir alle auf uns beziehen, 
ungeachtet unserer Lebensumstände. Wie unser Enkel 
sind wir selbst dafür verantwortlich, daß wir glücklich 
sind. Wir könnten vielleicht selbst eine Liste dafür 
aufstellen, wie wir Freude und Glück erfahren und sie 
auch anderen vermitteln wollen. Unsere Liste könnte 
folgendes enthalten: 

•Beten: „Wirf deine Sorge auf den Herrn, er hält 
aufrecht!" (Psalm 55:23.) 

• Die heiligen Schriften studieren. 

• Sich mit Ihrem Bischof und Ihrem Kollegiumsführer 
bzw. Ihrer FHV-Leiterin unterhalten. 

• Ihren Mitmenschen dienen. 

• Andere erheben und stärken. 

Die Liste läßt sich beliebig erweitern. 

Weil der Herr einen jeden von uns so sehr liebt, 
möchte er, daß wir alle glücklich sind. Er hat uns durch 
den Propheten Lehi sagen lassen: „Menschen sind, damit 
sie Freude haben können." (2 Nephi 2:25.) Diese Freude 
bezieht sich auf die Gegenwart. Wir müssen nicht erst auf 
einen anderen Tag, ein anderes Jahr warten, darauf, daß 
sich unsere Lebensumstände ändern oder daß wir den 
Schleier durchschreiten und in die ewige Herrlichkeit 
eingehen. Wir sollen in der Gegenwart Freude haben. 
Wenn wir das Evangelium Jesu Christi lieben, können wir 
unter allen Lebensumständen Freude finden. 

Wer allein und einsam ist, darf sich nicht für immer ins 
einsame Kämmerchen seines Herzens zurückziehen. Ein 
solcher Rückzug kann letztlich dazu führen, daß man 
mutlos und noch einsamer und frustriert wird und sich für 
wertlos hält. Wenn man sich erst einmal für wertlos hält, 
wendet man sich häufig Bekannten zu, die die empfindli- 
chen geistigen Kontakte zerstören, was dazu führt, daß die 
geistige Antenne und Empfänglichkeit nicht mehr funktio- 
nieren. Was nützt es, wenn man mit Menschen zusammen 
ist, die selber keine Orientierung haben, und sich von ihnen 
beraten läßt, wenn sie einem doch nur sagen, was man 
gerne hören möchte? Wäre es nicht besser, sich an liebende 
Eltern, Priestertumsführer und FHV-Führungskräfte und 
an Freunde zu wenden, die uns helfen können, auf cele- 
stiale Ziele hinzustreben und sie auch zu erreichen? 



Ein einzigartiger Aspekt der Kirche ist der, daß ihre 
Gemeinden und Zweige eine geographische Basis haben. 
Sie werden so geschaffen, daß die Führungskräfte den 
Mitgliedern nah sein, daß sie sie kennen und ihnen 
helfen können. Alle Mitglieder, die in einer solchen 
geographischen Einheit leben, haben Zugang zu ihrem 
Gemeindetreffpunkt, zu einem Priestertumsführer und 
zu einer FHV-Leiterin. 

In Lehre und Bündnisse steht: „Ich, der Herr, werde 
alle Menschen gemäß ihren Werken richten, gemäß den 
Wünschen ihres Herzens." (LuB 137:9.) Wer dem 
Glauben treu lebt und nicht die Möglichkeit hat, in 
diesem Leben zu heiraten, wird jede Möglichkeit haben, 
die Segnungen, die Erhöhung und die Herrlichkeit zu 
erlangen, die diejenigen erhalten, die in den Bund der 
ewigen Ehe eintreten und ihn halten. Die wahre Frage, die 
ein jeder sich stellen muß, lautet: Was sind die Wünsche 
und Absichten meines Herzens? 

Wir achten und ehren die alleinstehenden erwach- 
senen Mitglieder der Kirche um ihrer Glaubenstreue 
und ihres Gehorsams und ihres Engagements willen. 
Alle Segnungen des Herrn stehen uns offen, wenn wir 
uns an der Kirche beteiligen, wie sie etabliert worden ist, 
ohne uns in eine spezielle Nische oder Kategorie einzu- 
ordnen. Wir sind alle Mitglieder einer Gemeindefamilie 
in der Gemeinschaft der Heiligen, wo wir jeder unsere 
Talente einbringen können. Wir tun gut daran, dem 
Beispiel unseres Erretters nachzufolgen, der, als er selbst 
am Kreuz litt, um das Wohlergehen seiner Mutter und 
darum besorgt war, daß seinen Peinigern vergeben 
wurde. Auch wir müssen unser Augenmerk auf die 
Bedürfnisse unserer Mitmenschen lenken. Wenn wir 
einen anderen aufrichten, der in Not ist, kann das die 
Gefühle der Einsamkeit und Unzulänglichkeit 
vertreiben - und dann können Hoffnung, Liebe und 
neuer Mut an ihre Stelle treten. 

Ich verheiße Ihnen, daß Sie gesegnet werden, wenn 
Sie Ihre Talente und Ihren Geist einbringen. Wenn Sie 
einen anderen lieben und trösten, der in Not ist, wird der 
Geist des Herrn mit Ihnen sein und werden Sie selbst 
Liebe und Trost finden. D 



DER STERN 



14 




TU 




# 



WAS ICH TUE 




PIONIERE AN DER 



•• 



ELFENBEINKUSTE 



Die Geschichte der Pioniere der 
Kirche an der Elfenbeinküste berichtet 
von Opferbereitschaft und Ausdauer. 
Vor allem aber handelt sie vom 
Glauben an Jesus Christus. 



Robert L. Mercer 

FOTOS VON ROBERT L. MERCER UND PHARES HORMAN 



Der Geist des Herrn schwebt über Afrika", sagte 
Eider James E. Faust vom Kollegium der Zwölf 
Apostel, als er 1992 in Afrika war. 1 Tatsächlich 
konnten die Missionare, die damals an der Elfenbeinküste 
tätig waren, den Einfluß des Geistes sehen, als die 
Menschen begannen, in immer größerer Zahl die 
Botschaft von der Wiederherstellung anzunehmen. 




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Die Offenbarung von 1978, die jedem glaubenstreuen 
männlichen Mitglied den Zugang zum Priestertum eröff- 
nete, hatte an der Elfenbeinküste nicht sofort die gleiche 
Auswirkung wie in manchen anderen englischspra- 
chigen afrikanischen Ländern. Englische Literatur der 
Kirche war beispielsweise nach Ghana und Nigeria 
gelangt, und einige Menschen hatten die Kirche um 
Missionare gebeten. Aber an der französischsprachigen 
Elfenbeinküste, zwischen Liberia und Ghana an der 
Westküste Afrikas gelegen, kam das Evangelium durch 
eine andere Tür ins Land. 

Die Geschichte der Pioniere an der Elfenbeinküste 
handelt von Mühen und Opferbereitschaft, von Eifer 
und Ausdauer. Vor allem aber handelt sie vom Glauben 
an den Erretter und von der Liebe zu ihm. 




PHILIPPE UND ANNELIES ASSARD 

Bürger der Elfenbeinküste, die es sich leisten können, 
studieren häufig an europäischen Universitäten. In den 
siebziger und achtziger Jahren lernten einige solche 
Studenten in Europa auch das Evangelium kennen. 
Nach der Rückkehr in ihre Heimat halfen diese Heiligen 
der Letzten Tage mit, daß das Evangelium Wurzeln 
schlagen und sich ausbreiten konnte. 

Einer von ihnen war Phillipe Assard. Phillipe studierte 
ab 1971 in Köln an einer Ingenieurschule. Dort lernte er 
beim Tanzen Annelies Margitta in ihrer Heimatstadt 
Remscheid kennen. Bald darauf heirateten sie, Phillipe 
fand eine Anstellung, und die beiden bekamen Kinder. 

1980 standen zwei Vollzeitmissionare vor ihrer Tür 
und erzählten ihnen von der Wiederherstellung des 

PV-Kinder wie diese sind die Zukunft der Kirche an 
der Elfenbeinküste. Hintergrund: Abidjan, größte 
Stadt des Landes und Industriezentrum. 





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Evangeliums. Die Assards nahmen das Evangelium rasch 
an. Bald ließen sie sich taufen, und waren, mit Bruder 
Assards Worten, „von den Segnungen überwältigt". 
Phillipe und Annelies ließen sich im Tempel in der 
Schweiz siegeln, und Phillipe fand einen neuen 
Arbeitsplatz, der es ihm ermöglichte, besser für seine 
wachsende Familie zu sorgen. Sie hatten inzwischen 
einen Sohn, Alexandre Joseph, und eine 
Tochter, Dorothee Anne. 

Die ersten vier Missionarinnen an der 
Elfenbeinküste, 1 993. Hintergrund: 
Eine ländliche Gegend bei Abidjan, 
an einer Lagune im Golf von 
4b Guinea. 




Es ging der Familie zwar wirtschaftlich 
besser, und das Leben in Deutschland wurde 
immer angenehmer, aber Bruder Assard 
fühlte sich immer mehr zu seiner Heimat, der 
Elfenbeinküste, hingezogen. Ihm war klar, 
daß die Entwicklung, die sein Land am 
meisten brauchte, nur durch das Evangelium 
Jesu Christi kommen konnte, und er war 
fest entschlossen, mit dazu beizutragen, daß 
sein Land das Evangelium kennenlernte. 
Eine Bewerbung bei einer Firma an der 
Elfenbeinküste, die Ingenieure suchte, wurde 
abgelehnt, aber 1984 beschloß Bruder 
Assard, in seiner Heimat Urlaub zu machen 
und dort selbst nach Arbeit zu suchen. Zu seiner 
Enttäuschung erfuhr er, daß die Firma, bei der er sich 
beworben hatte, finanzielle Schwierigkeiten hatte. Es 
ergaben sich auch keine anderen Arbeitsmöglichkeiten. 

„Ich kehrte nach Köln zurück, aber ich glaubte fest an 
den Herrn, denn ich hatte den Traum, daß das 
Evangelium an der Elfenbeinküste etabliert werden 
sollte", sagt Bruder Assard. „Und so beschloß ich 1986, 
nachdem ich zusammen mit meiner Frau gefastet und 
gebetet hatte, an die Elfenbeinküste zurückzukehren und 
zu geben, was ich erhalten hatte, um meiner Familie und 
meinem Volk ein besseres Leben zu ermöglichen." 

Ehe die Assards Deutschland verließen, erhielten sie 
noch ihren Patriarchalischen Segen. Sie fuhren noch 
einmal zum Tempel in der Schweiz und reisten nach 
Frankfurt, wo sie sich mit Mitgliedern der Präsidentschaft 
des Gebiets Europa trafen - mit Eider Joseph B. Wirthlin, 
der jetzt dem Kollegium der Zwölf Apostel angehört, und 
mit Eider Russell C. Taylor, der inzwischen emeritiert ist 
und damals Mitglied der Siebziger war. Die Familie 
erklärte, daß sie an die Elfenbeinküste ziehen wollte und 
wurde von den Brüdern gesegnet, wie Bruder Assard 
erzählt. „Eider Wirthlin gab mir eine Liste aller 
Mitglieder im Land mit, von denen man wußte, aber es 
war nur etwa ein halbes Dutzend." 

Bruder Assard kündigte seinen Arbeitsplatz, und die 
Familie verkaufte ihr Haus und ihre Habe. Am 10. April 
1986 reisten sie zur Elfenbeinküste. Sie zogen zu seinen 
Eltern in ein kleines Dorf bei Abidjan - der größten Stadt 
des Landes und Industriezentrum. Weder Schwester 
Assard noch ihre Kinder sprachen französisch. Aber 
Alexandre und Dorothee gingen zur Schule, während 




Dte le F G o e m T'" de V °: Ört,iChen Mi ' 9 ' iede "" » -— ■ auch 
d.e Fam,l,e Assard und die Familie Aneue zählten. 



Schwester Assard bei ihren angeheirateten Verwandten 
Französisch lernte und Bruder Assard Arbeit suchte. 

Ein ganzes Jahr lang suchte Bruder Assard vergeblich 
nach Arbeit. Er wünschte sich sehr, für seine Familie 
sorgen zu können, und stand unter großem Druck. Das 
hielt ihn allerdings nicht davon ab, sich für das Werk des 
Herrn zu engagieren. Er und seine Frau schickten Briefe 
an die Mitglieder auf der Liste, die sie in Deutschland 
erhalten hatten. Die Familie von Lucien Affoue, die in 
Abidjan wohnte, antwortete als erste. Beide Familien 
freuten sich sehr, daß sie jetzt nicht mehr allein waren. 
Auch andere Mitglieder an der Elfenbeinküste antwor- 
teten, aber sie wohnten zu weit entfernt, als daß man sich 
hätte treffen können. 

Bruder Assard leitete den wachsenden Zweig, bis 
Eider Marvin J. Ashton vom Kollegium der Zwölf 
Apostel und Eider Alexander B. Morrison von den 
Siebzigern 1987 das Land besuchten. Jetzt wurde Terry 
Broadhead, der bei der US -Botschaft tätig war, als erster 
Zweigpräsident eingesetzt, und Bruder Assard wurde sein 
Erster Ratgeber. Als Eider Ashton das Land im 
September 1987 für die Verkündigung des Evangeliums 
weihte, gab es dort 16 Mitglieder der Kirche. 

Bruder Assard wurde später der erste einheimische 
Zweigpräsident der Elfenbeinküste. Er diente auch als 
Distriktspräsident. Schwester Assard war Zweig-FHV- 
Leiterin und JD-Leiterin sowie Distrikts -FHV- Leiterin. 
Ihre musikalische Begabung hilft den Mitgliedern sehr, 
die Kirchenlieder zu lernen. 

Nach den geistigen Segnungen kamen auch die mate- 
riellen Segnungen. Nach einem Jahr Arbeitslosigkeit 



MÄRZ 1999 
19 



wurde Bruder Assard von einem europäischen 
Autohersteller in Abidjan eingestellt. Da er französisch 
und deutsch spricht und von Beruf Ingenieur ist, war er 
der ideale Mitarbeiter. Heute ist er der stellvertretende 
technische Leiter der Firma. 

Die Assards werden in Ewigkeit für ihre Segnungen 
und für den Einfluß, der sie an die Elfenbeinküste geführt 
hat, dankbar sein. Dank diesem Einfluß hat Präsident 
Assard erlebt, daß sein Traum, daß das Evangelium 
bei seinem Volk etabliert wird, in Erfüllung gegangen ist. 
Teilweise ging er in Erfüllung, als am 17. August 1997 
der Pfahl Abidjan, Elfenbeinküste, gegründet wurde. 
Phillipe Assard wurde Pfahlpräsident. Unter Tränen und 
Lächeln sagt Schwester Assard über die Gründung dieses 
ersten Pfahls in ihrer neuen Heimat: „Seit elf Jahren 
haben wir auf diesen Tag hingearbeitet und dafür 
gebetet." 

LUCIEN UND AGATHE AFFOUE 

Als Luden Affoue mit seiner Familie nach Lyon in 
Frankreich reiste, um Industriedesign zu studieren, hatte 
er keine Ahnung, daß die wichtigste Bildung, die er dort 
erhalten sollte, geistiger Natur war. Lucien, seine Frau 

Die Mitglieder stehen bei der ersten Jugendtagung der 
Kirche an der Elfenbein koste für Erfrischungen an. 



Agathe und ihre beiden Töchter nahmen bald, nachdem 
die Vollzeitmissionare sie 1980 zum ersten Mal besucht 
hatten, das Evangelium an. Der Zweig Bordeaux hieß die 
Familie in der Kirche willkommen, und nachdem sich die 
Familie als glaubenstreu erwiesen hatte, wurden die 
Affoues und ihre beiden Töchter im Tempel in der 
Schweiz aneinander gesiegelt. 

Als die Affoues, die inzwischen auch noch einen 
kleinen Sohn hatten, 1984 an die Elfenbeinküste zurück- 
kehrten, waren sie enttäuscht, als sie keine anderen 
Mitglieder der Kirche vorfanden. Trotzdem hielten sie 
eifrig zu Hause die Versammlungen ab und beteten 
darum, eine Mitgliederfamilie zu finden. 

Die Zeiten waren schwer. Gutbezahlte Stellen waren 
an der Elfenbeinküste, die bis 1964 eine französische 
Kolonie war, rar und sind es auch heute noch. Die 
meisten Industriebetriebe sind in ausländischer Hand. 
Die Arbeitslosenrate beträgt in diesem Land rund 80 
Prozent. Die meisten Menschen leben in kleinen Dörfern 
und ernähren sich von der Landwirtschaft. 

Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage freute sich 

die Familie Affoue, als im April 1986 ein Brief von den 

Assards kam. Die beiden Familien begannen bald darauf, 

im Hinterhof der Assards die Sonntagsversammlungen 

abzuhalten. Sie arbeiteten zusammen und 

verehrten Gott und beteten um Arbeit, 

und die Familien wurden gute Freunde 

und stärkten einander in geistiger 







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Hinsicht. Schwester Affoue und Schwester Assard wurden 
wie leibliche Schwestern. 

Die Gebete der Affoues wurden erhört, und Bruder 
Affoue fand eine Stelle als Lehrer in Bouake, der 
zweitgrößten Stadt des Landes, rund 370 Kilometer 
nordwestlich von Abidjan. Sie mußten die wachsende 
Gruppe der Kirche in Abidjan verlassen, aber mit 
einem gefestigten Zeugnis und voll Glauben halfen 
die Affoues dann 1988 mit, die Kirche in Bouake zu 
etablieren. Dort verbreitete die Familie das Evangelium, 
und bald gesellte sich auch ein Missionarsehepaar 
zu ihnen, das dem Gebiet zugeteilt wurde, was sie 
sehr freute. 

Bruder Affoue diente vier Jahre 
lang als Zweigpräsident, dann war 
er weiter Zweigpräsident, als der 
Zweig geteilt wurde. Heute ist er 
Ratgeber des Missionspräsidenten. 
Schwester Auffoue diente als 
FHV-Leiterin, während die 
Kinder unterrichteten und noch 
anderweitig in dem kleinen 
Zweig mithalfen. 






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ADOLPHE MANDE GUEU 

Bis im Juli 1992 der erste 
französischsprachige Missions- 
Präsident ins Land kam und Ad °' phe Mande Gü ^ 

1993 an der Elfenbeinküste eine neue 
Mission eingerichtet wurde, unterstand die 
Missionsarbeit im Land dem englischsprachigen 
Missionspräsidenten in Accra in Ghana. 2 Trotz dieser 
Anfangsschwierigkeiten wuchs die Zahl der Mitglieder 
auf beeindruckende Weise. 

1989 wurden Robert M. und Lola Walker, ein 
Missionarsehepaar in Ghana, an die Elfenbeinküste 
versetzt. Sie sprachen kein Französisch, deshalb erhielten 
sie die Anweisung, einen Dolmetscher zu engagieren und 
amerikanische Familien, die im Land lebten, um Hilfe zu 
bitten. 

Die Walkers gingen mit Zittern und Zagen an ihre 
neue Aufgabe heran, aber sie glaubten fest daran, daß der 
Herr ihnen helfen würde, ihrer neuen Verantwortung 
gerecht zu werden. In den Versammlungen der Kirche in 
Abidjan verstanden sie anfangs nur das, was der Geist 



ihnen übermittelte. In einer Versammlung kam ein 
junger Mann auf sie zu und fragte sie in fließendem 
Englisch, ob er ihnen helfen könne. Dieser 
junge Mann, Adolphe Mande Gueu, war der 
erste der vier Dolmetscher, die die Walkers in 
den 14 Monaten, die sie an der Elfenbeinküste 
verbrachten, einstellten, unterwiesen und 
tauften. 

Vor seiner Taufe lernte Adolphe das 
Evangelium rasch kennen, indem er im 
Unterricht und bei Ansprachen dolmetschte. 
Seine Dolmetschtätigkeit für die Walkers berei- 
tete ihn darauf vor, das Buch Mormon zu 
verstehen und ein Zeugnis davon zu bekommen. 
Er las es in drei Tagen durch. Er sagt, der Heilige 
Geist habe ihm so stark bezeugt, daß es wahr ist, 
daß er gar nicht aufhören konnte, zu lesen. 

„Dieses Buch bezeugt mir, daß Ihre Botschaft 
von Gott kommt", erklärte Bruder Gueu den Walkers. 
„Meine Familie und ich müssen Teil des Evangeliums 
werden." 

Bruder und Schwester Gueu sind seit ihrer Taufe im 
Jahre 1988 treue Mitglieder der Kirche. Er war 
Zweigpräsident und wurde später der erste Lehrer im 
Bildungswesen der Kirche, CES, an der Elfenbeinküste. 
Heute ist er der Regionsdirektor für CES. Auch 
Schwester Gueu hat schon in vielen Berufungen gedient; 
sie war unter anderem Distrikts-JD-Leiterin. 



MAMMADOU UND JOSEPHINE ZADI 

Viele Pioniere an der Elfenbeinküste haben ihr Leben 
auf beispielhafte Weise völlig geändert. Mammadou Zadi, 
der früher als Grenzposten tätig war, verkörpert diesen 
Wandel vielleicht am besten. 



MÄRZ 1999 
21 




HHHHi 



Bevor Bruder Zadi sich der Kirche anschloß, war er 
nicht besonders gesund, weil er aufgrund seines 
Alkoholmißbrauchs Leberprobleme hatte; trotzdem 
beschloß er, mit seinen Ersparnissen eine Bar aufzuma- 
chen. Er kaufte ein gutes Lokal und machte bald 
rasante Geschäfte. Er konnte 
nicht ahnen, wie sehr sich sein 
Leben ändern sollte, nachdem 
seine Frau Josephine die 
Vollzeitmissionare kennenge- 
lernt hatte. Josephine war von 
ihrer Botschaft beeindruckt, 
aber nach den Gepflogenheiten 
ihres Landes brauchte sie die 
Einwilligung ihres Mannes, um 
sich die Missionarslektionen 
anhören zu können. Er erlaubte 
es ihr, erklärte ihr aber, er wolle 
nichts mit der Kirche zu tun 
haben. Das Leben, für das er sich 
entschieden hatte, war mit den 
Lehren des Evangeliums unver- 
einbar, soviel war ihm klar. 

Josephine wollte ihrem Mann allerdings gern 
erzählen, was sie im Lauf der Zeit über das Evangelium 
erfuhr. Weil sie so eifrig betete, spürte auch ihr Mann 
den Einfluß des Geistes, wie er heute meint, und so 
hörte auch er den Missionaren zu. Er war genauso 
beeindruckt wie sie und begann, nach dem Wort der 
Weisheit zu leben. Nachdem sein Gesundheitszustand 
sich drastisch verbessert hatte, war er davon überzeugt, 
daß das Evangelium wahr ist. 

Mit der Taufe der Zadis kamen nicht nur zwei neue 
Mitglieder zur Kirche, sondern binnen kurzem hatten 
sich alle 18 Mitglieder der Großfamilie der beiden taufen 
lassen. Die Familie Zadi erzählte auch in der weitläufigen 
Verwandtschaft vom Evangelium, und jetzt verkünden 
ein Sohn und ein Neffe als Vollzeitmissionare an der 
Elfenbeinküste die Botschaft von der Wiederherstellung, 
so daß noch mehr Menschen davon hören. 

Weil das Evangelium in seinem Leben so wichtig 
geworden war, schloß Bruder Zadi seine Bar und überließ 
das Haus der Kirche, damit dort die Versammlungen 
stattfinden konnten. Bruder Zadi bestreitet seinen 
Lebensunterhalt mit der Pension, die er erhält, und mit 

DER 



der Miete aus anderem Immobilienbesitz. Er und seine 
Frau dienen eifrig in der Kirche. Bruder Zadi war bereits 
Distriktspräsident, und Schwester Zadi war FHV- Leiterin 
des Zweiges Dokui. 

CHRISTOPHE MVOMO 

Weil die politische Lage an der 
Elfenbeinküste mit ihren rund 14 Millionen 
Einwohnern relativ stabil ist, kommen viele 
Zuwanderer aus anderen afrikanischen Staaten 
ins Land. Christophe Mvomo war einer von 
denen, die kamen, und er fand wirklich ein 
besseres Leben, auch wenn es nicht das war, 
wonach er gesucht hatte. 

Christophe war in seiner Heimat Kamerun 
ein hervorragender Student gewesen und 
hatte ein katholisches Seminar besucht. Nach 
dem Studienabschluß hatte man ihn gebeten, 
eine Stelle als Lehrer an einem katholi- 
schen Seminar an der Elfenbeinküste zu über- 
nehmen, wo die meisten Menschen noch 
eine der alten einheimischen 
Religionen praktizieren. 
Rund 30 Prozent der Bewohner des 
Landes sind Christen. 

Ehepaare wie Elane und Alain 
Tanoe, Vordergrund, stärken 
die Kirche, indem sie in 
führenden Berufungen dienen. 
Hintergrund: Neue Mitglieder 
am Tag ihrer Taufe. 





S T E 

22 



R N 







WKmBi 



Nach der Ankunft in Abidjan erfuhr Christophe, daß 
viele junge Menschen sich mit den Missionaren der 
Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 
anfreundeten. Er wurde neugierig, als mehrere junge 
Männer, von denen er drei kannte, als Vollzeitmissionare 
der Kirche berufen wurden. Christophe hatte Fragen zu 
dieser neuen Kirche und beschloß, diejenigen, die ihre 
Botschaft verbreiteten, auf den richtigen Weg zurückzu- 
führen. 

„Ursprünglich wollte er beweisen, daß die Kirche 
im Irrtum ist", erzählt Schwester Grade Mackay, 
die damals gerade mit ihrem 
Mann Theron in Abidjan auf 
Mission war. „Aber er hatte 



von Anfang an auch aufrichtige Fragen und war bereit, zu 
lernen." 

Bei seinen Gesprächen mit Eider Mackay und seiner 
Frau hörte Christophe Antworten auf Fragen, die er für 
unbeantwortbar gehalten hatte. Die Schönheit des 
Erlösungsplans ließ ihn spüren, daß er wahr ist, und er 
verstand jetzt auch die Bedeutung des Sühnopfers besser. 

„Ich bekehrte mich zur Kirche Jesu Christi der 
Heiligen der Letzten Tage, während ich noch Lehrer an 





Christophe Mvomo 



einer luxuriösen katholischen Eliteschule war", schrieb 
Bruder Mvomo in sein Tagebuch. „Um nach meinem 
neugefundenen Glauben zu leben, beschloß ich ein Jahr 
nach der ersten Begegnung mit 
der Kirche, meinen Lehrerposten 
aufzugeben. Ich verlor alle 
Privilegien und Vorteile, die ich 
mir durch meine neunjährige 
Tätigkeit erworben hatte." 

Die darauffolgenden Schwierig- 
keiten stellten Bruder Mvomos 
Glauben und Ausdauer auf eine 
schwere Probe. „Meine Frau, eine 
Grundschullehrerin, ließ sich von 
mir scheiden", erzählt er. „Dreimal 
brachen Diebe in meine Wohnung 
ein und nahmen alles mit, was ich 
hatte. Ein Freund fuhr mein schönes 
Auto kaputt. Ich befand mich plötz- 
lieh in einer verzweifelten Lage, aber 
ich war fest entschlossen, dem Herrn treu zu bleiben." 

Im Juli 1993 wurde Bruder Mvomo berufen, als Zweiter 
Ratgeber in der Missionspräsidentschaft zu dienen. Er hat 
diese Berufung ausgezeichnet erfüllt und sich weiter 
seinen Herausforderungen gestellt. Seine Last wurde 
leichter, als er eine neue Anstellung als Lehrer fand. 

„Ich weiß, daß mein Erretter lebt und daß er für mich - 
für uns alle - gestorben ist", sagt Bruder Mvomo. Er ist der 
Meinung, daß die Segnungen des Himmels die Prüfungen 
der Erde bei weitem wettmachen. Aus Dankbarkeit 
gegenüber dem Erretter und seinem Evangelium, so sagt 
er, „muß ich für ihn alles tun, was ich kann". 

LANGE UND GEDULDIG GEWARTET 

1992 gab es an der Elfenbeinküste fast 1000 
Mitglieder; zwei Jahre später gab es mehr als doppelt 
so viele, nämlich 2500. Heute hat die Kirche rund 
3500 Mitglieder, einen Pfahl mit 11 Gemeinden und 
4 Zweigen in Abidjan, Bouake und Yamoussoukro, 
der Hauptstadt des Landes. Auch in anderen 
Städten treffen sich Gruppen von Mitgliedern. 

Junge Damen der Gemeinde 
Abobo, Pfahl Abidjan, 
Elfenbeinküste. 



Das erste Gemeindehaus der Kirche an der 
Elfenbeinküste wurde im April 1997 geweiht, ein 
Jahrzehnt nachdem das Land für die Verkündigung des 
Evangeliums geweiht worden war und kurz vor 
der Gründung des ersten Pfahls. Dieses eigene 
Gemeindehaus stellt für die Heiligen der Letzten 
Tage an der Elfenbeinküste einen Meilenstein 
dar. Zu ihnen zählen auch die Affoues und die 
Assards, die sich nach einem Gemeindehaus in 
ihrem Land gesehnt hatten, seit sie sich vor 1 1 
Jahren zum ersten Mal unter einem Baum in 
ihrem Heimatdorf trafen. 

Das Beste, was die Zukunft für dieses afri- 
kanische Land bereithält, ist im wiederherge- 
stellten Evangelium Jesu Christi zu finden. 
Für die Heiligen der Letzten Tage an der 
Elfenbeinküste ist eine strahlende Zukunft 
fast schon Realität. D 



FUSSNOTEN 

1. Konferenz für Missionspräsidenten, Nairobi, Kenia, 10. und 
11. November 1992. 

2. Die neue Mission hieß Kamerun-Mission Yaounde, bis das 
Missionsbüro im Mai 1993 nach Abidjan verlegt wurde; von da 
an hieß die Mission Elfenbeinküste -Mission Abidjan. 




FREUNDE IN ALLER WELT 



Ciaire und Laurence 

ausGournay 
in Frankreich 






Marvin K. Gardner 

FOTOS VOM AUTOR, AUSSER WO ETWAS ANDERES 
ANGEGEBEN IST 



E 



s ist in Frankreich nichts 
Ungewöhnliches daran, einen 
schnellen Sportwagen durch die 
Straßen flitzen zu sehen. Aber es ist sehr wohl 
ungewöhnlich, einen Kleinbus mit einer großen 
Familie zu sehen - mit Vater, Mutter und sieben 
Kindern. 

Viele Familien in Frankreich haben nur ein oder 
zwei Kinder. Die Menschen sind häufig überrascht, 
wenn sie hören, daß Michel und Pascale Küsseling 
sieben haben. 

Die Küsselings wohnen in Gournay, einer schönen 
Stadt mit rund 6000 Einwohnern am Stadtrand von 
Paris. Sie sind Mitglieder der Gemeinde Torcy im Pfahl 
Paris-Ost. In ihrer Einfahrt steht eine Reihe 
Kinderfahrräder. Hinter dem Haus stehen Kletterbäume 
und eine Rutsche. 




KINDERSTERN 

2 




Küsseling 



Es gibt in der Familie vier Jungen und drei 
Mädchen. Julien, 14, ist Lehrer im Aaronischen 
Priestertum und schwimmt gern. Jerome, 13, ist 
Diakon; auch er schwimmt gern, außerdem spielt er 
Klavier. Als nächstes kommen zehnjährige 
Zwillingsmädchen, Ciaire, die Querflöte spielt und gern 
Ballett tanzt, und Laurence, die auch Querflöte spielt, 
aber lieber schwimmt als tanzt. Marie, 9, ist die 
nächste. Sie tanzt gern und spielt Klavier. Die beiden 
Jüngsten sind Jungen - Christophe, 6, der gerade 
schwimmen lernt, und Nicolas, 4, der gern Ball spielt. 

„Ich wollte immer schon viele Kinder haben, auch 
als ich noch nicht in der Kirche war", sagt Schwester 
Küsseling. „Ich liebe Kinder." 

„Am schwierigsten war es", so erzählt Bruder Küsseling 
lachend, „als Marie geboren wurde und die Zwillinge erst 
ein Jahr alt waren. Plötzlich hatten wir drei Mädchen, die 
fast gleich alt waren. Sie waren ein bißchen eifersüchtig 
aufeinander, weil ich drei kleine Mädchen in den Arm 
nehmen mußte und nur zwei Knie hatte!" 

Viele Kinder - das kann viele Schwierigkeiten 
bedeuten, aber auch viele Segnungen. Schwierig ist es 
manchmal, wenn man Geduld haben muß, weil die 
Eltern gerade mit den anderen beschäftigt sind. Und 
manchmal ärgern die Geschwister einander auch. 

Positiv ist, daß man immer jemanden zum Spielen 
hat - oder jemanden, mit dem man 
zusammenarbeiten kann. „Ich 
hatte von Anfang an 
viele Geschwister", 
sagt Laurence. 
„Für mich ist 

das ganz normal. Es ist schön, wenn man in 
der Familie ältere und jüngere Geschwister k> 

hat. So lernen wir alle voneinander und helfen 
einander." 

Außerdem sind reichlich Familienmitglieder da, die 
eine Aufgabe für den Familienabend übernehmen 

Ob beim Tanzen (Ciaire, ganz links) oder beim 
Flötespielen (Laurence, rechts), die zehnjährigen 
Küsseling-Zwillinge (Mitte) bemühen sich, durch ihr 
Verhalten zu zeigen, daß sie Jünger Jesu Christi sind. 



• Gournay 
PARIS • 




können. „Wir bemühen uns darum, daß jedes Kind 
jeden Montagabend eine Aufgabe hat", sagt Schwester 
Küsseling. „Jemand leitet den Gesang; jemand bemüht 
sich, etwas für die Lektion zu finden; jemand macht 
etwas Leckeres. Alle bemühen sich mitzumachen." 
Beim Familienabend können die Kinder auch erzählen, 
was sie in der PV gelernt haben. 

Sie gehen gern in die PV. „Ich lerne etwas über Jesus, 
über sein Leben und über das, was er getan hat", sagt 
Laurence. „Und wir lernen etwas über Joseph Smith. Er 
hat das Buch Mormon übersetzt, und er hat die Kirche 
gegründet, als sie wiederhergestellt wurde. Ich glaube 
daran, daß er ein Prophet war." 

Die Kinder lesen gern die Geschichten im ILEtoile, 
dem französischen Der Stern. Sie lesen 
auch gemeinsam in den heiligen 
Schriften und beten mitein- 
ander. Und sie singen gern. 
Das Lieblingslied von 
Laurence ist „Liebet 
einander" (Gesangbuch, Nr. 
200). Claires Lieblingslied 
ist „Stille Nacht" 
(Gesangbuch, Nr. 134). „Ich 
liebe Weihnachten", sagt sie, 
„weil wir dann an die Geburt 









^V'"" '' 



MÄRZ 1999 

3 





Jesu denken und alle zusammen sein können. Das ist 
mir wichtig." 

Bruder Küsseling ist schon sein Leben lang Mitglied 
der Kirche; er hat als junger Mann eine Mission in 
Neukaledonien, einer Insel im Südpazifik, erfüllt. Zur 
Zeit ist er Ratgeber in der Missionspräsidentschaft in 
Paris. Schwester Küsseling, die PV-Lehrerin ist, hat 
sich vor 16 Jahren taufen lassen und ist in ihrer 
Familie das einzige Mitglied der Kirche. Bruder und 
Schwester Küsseling haben im Tempel in der Schweiz 
geheiratet. Ciaire sagt, es ist ein wundervolles Gefühl, 
zu wissen, daß ihre Familie für immer zusammen 
sein kann. 

Ciaire ist auch dankbar für die vielen anderen 
Segnungen, die mit der Mitgliedschaft in der Kirche 
verbunden sind. Als sie drei Jahre alt war, wurde sie 
sehr krank und hatte schlimme Krampfanfälle. „Wir 
hatten große Angst", sagt Schwester Küsseling. „Ihr 
Vater hat ihr einen Segen gegeben, und dann hat er sie 
ins Krankenhaus gebracht. Am nächsten Tag ging es 
Ciaire wieder gut. Sie hat seitdem keine Krampfanfälle 
mehr gehabt." 

Ciaire kann sich nicht daran erinnern, aber sie weiß, 
daß sie durch die Macht des Priestertums geheilt wurde. 
Sie erinnert sich noch an ein anderes Mal, als das 
Priestertum für sie besonders wichtig war. Sie erinnert 
sich deutlich daran, wie ihr Vater sie getauft hat. „Ich 
war glücklicher als je zuvor", erzählt sie. „Ich wußte, 
daß Jesus mir alle Sünden vergab." 



Oben, links: Laurence (links), Ciaire (rechts) und ihre 
Familie kommen mit dem Kleinbus an der Kirche an. 
Oben: Die Zwillinge wollen einmal so werden wie ihre 
Mutter, Pascale. Rechts: In dieser großen Familie findet 
man immer jemanden zum Spielen. Auf der Rutsche im 
Garten: (von vorn) Ciaire, Laurence, Nicolas, Julien 
und Christophe, (stehend) Jerome und die Mutter. 
Oben, rechts: Auf die Plätze, fertig, los! Marie, 
Laurence und Nicolas fahren in ihrer Straße Fahrrad. 

„Ich habe gesehen, wie mein Vater die Kinder in 
unserer Familie gesegnet und getauft hat. Und als er 
Bischof war, hat er auch andere Leute in der Gemeinde 
gesegnet, die krank waren oder einen Segen brauchten", 
sagt Ciaire. „Er gibt uns immer einen Segen, wenn ein 
neues Schuljahr beginnt. Dann weiß ich, daß es ein 
gutes Jahr wird." 

Ihre Zwillingsschwester Laurence sagt: „Ich glaube 
daran, daß der himmlische Vater mich hört, wenn ich 
bete. Er hat mein Beten schon erhört. Als unser Vater 
vor vier Monaten seinen Arbeitsplatz verloren hat, 
haben wir alle für ihn gebetet, damit er neue Arbeit 
finden konnte. Und schon nach zwei Wochen hatte er 
eine neue Arbeit!" Bruder Küsseling ist jetzt als 
Finanzberater für eine britische Firma in Versailles tätig. 

Sowohl Ciaire als auch Laurence mögen Mathe, und 
beide sind gute Schülerinnen. Sie sind an ihrer Schule 
zwar die einzigen Heiligen der Letzten Tage, aber sie 
haben gelernt, sich Freunde mit ähnlichen Grundsätzen 



KINDERSTERN 

4 





zu suchen, und sie haben sich mit manchen 
auch schon über die Kirche unterhalten. „Da 
meine Eltern und anderen Verwandten keine 
Mitglieder der Kirche sind", sagt Schwester 
Küsseling, „geben die Kinder ihren Onkeln und 
Tanten, Vettern, Kusinen und Großeltern 
häufig Zeugnis." 

Und sie bemühen sich, durch ihr 
Verhalten zu zeigen, daß sie Jünger Jesu 
Christi sind. Beispielsweise helfen sie häufig 
ihrem Nachbarn, einem 87 jährigen Mann, 
der allein lebt. Sie helfen ihm, die Lebensmittel 
ins Haus zu tragen, weil sie befurchten, daß er 
stürzen könnte. Und sie helfen, seinen Hund zu 
futtern. Dafür läßt er die Kinder die Kirschen an 
den Zweigen seines Baums essen, die über den 
Zaun in den Garten der Küsselings hineinragen. 
„Ich habe in der Kirche gelernt, höflicher zu 
sein", sagt Laurence. „Durch das Evangelium lerne 
ich, zu den Menschen um mich herum freundlicher 
zu sein, auch zu meiner Familie." 

Vor allem wollen Ciaire und Laurence einmal 
eine solche Mutter sein, wie ihre Mutter es ist. Sie 
freuen sich, daß sie zu einer Familie gehören, die 
auffällt. Manchen fällt auf, daß die Küsselings viele 
Kinder haben oder daß sie ein großes Auto haben. 
Aber wichtiger ist, daß die Menschen sehen, daß sie 
einander liebhaben und daß sie sich bemühen, nach 
dem Evangelium zu leben. D 

MÄRZ 1999 

5 



DAS MITEINANDER 



Jesus Christus zeigt 
uns den Weg 



Sydney S. Reynolds 




„Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, daß er seinen 
einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, 
nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat/' 
(Johannes 3:16.) 

Simeon und Hanna waren schon sehr alt. 
Eines Tages sahen sie den kleinen Jesus im 
Tempel. Sie wußten, daß er zur Erde 
gekommen war, um die Menschen von ihren Sünden zu 
erretten (siehe Lukas 2:21-38). 

Jesus wuchs, genauso wie wir. Er „wuchs heran; und 
seine Weisheit nahm zu, und er fand Gefallen bei Gott 
und den Menschen." (Lukas 2:52.) Wir wachsen 
gesund heran, wenn wir gutes Essen zu uns nehmen 
und Sport treiben. 

Jesus wurde auch geistig stark (siehe Lukas 2:40). Als 
er 12 war, ging er nach Jerusalem, um das Passahfest zu 
feiern. Seine Eltern meinten, er reise zusammen mit 
ihrer Gruppe wieder nach Hause, aber Jesus war in 
Jerusalem geblieben. Als sie ihn drei Tage später fanden, 
unterhielt er sich im Tempel mit den Lehrern. „Alle, die 
ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und 
über seine Antworten" (siehe Lukas 2:41-51). 

Um im Geist und in der Weisheit zu wachsen, muß 
Jesus die heiligen Schriften studiert haben. Er war 
seinen Eltern gehorsam (siehe Lukas 2:51). Seine 
Familie hielt die Gebote und befolgte das Gesetz des 
Herrn. Weil Jesus bei Gott und bei den Menschen 
Gefallen fand, wissen wir, daß er sich für das Rechte 
entschied und ehrlich und freundlich war. 

Schon als Kind hat Jesus uns ein Beispiel gegeben, 
dem wir nacheifern können. Auch wir können im 
Geist und in der Weisheit stark werden und bei Gott 
und bei den Menschen Gefallen finden. Jesus hat uns 
den Weg gezeigt. 

Anleitung 

Nimm Seite 7 aus dem Stern heraus, und kleb sie auf 
festes Papier. Schneide entlang der gestrichelten Linie 



um die Bilder und um jedes Fenster herum. Schneide ein 
Stück festes Papier aus, das die gleiche Größe hat wie 
Bild A. Mach eine Tasche, indem du Bild A (bedruckte 
Seite nach oben) auf das ausgeschnittene Stück Papier 
legst und den unteren Rand sowie die Seiten zusammen- 
klebst. Beantworte die Frage „Wie kann ich wachsen?", 
indem du Bild B in die Tasche steckst. Lies dabei jedes 
Fenster, mach es auf, und lies, was darin steht. Zieh Bild 
B hoch, damit du noch mehr lesen kannst. 

Ideen für das Miteinander 

J . Verwenden Sie Bilder aus der Gemeindehausbibliothek oder aus der 
Bildersammlung zum Evangelium, um die Geschichte von Hanna und 
Simeon (siehe Lukas 2:21-38) und die Geschichte vom Besuch Jesu in 
Jerusalem zu erzählen (siehe Lukas 2:41-51). Fragen Sie die Kinder, 
was mit Lukas 2:40, 52 gemeint ist. Erklären Sie, daß wir in vielfacher 
Hinsicht wachsen. Bringen Sie für jede unten aufgeführte Kategorie 
einen Wortstreifen an, und lehren Sie die Kinder zu jedem Punkt eine 
Verhaltensweise. Geben Sie den Kindern einen Tip, und lassen Sie sie 
angeben, wohin der Tip gehört, indem sie das Verhalten vorführen. 
Beispiele: HERANWACHSEN - die Armmuskeln anspannen (reines 
Wasser trinken, täglich Sport treiben, keine Drogen nehmen); GEIST — 
die Arme verschränken und den Kopf neigen (beten, den Eltern gehör' 
chen, den Mitmenschen dienen); WEISHEIT - die Stirn berühren (über 
die heiligen Schriften nachsinnen, sich in der Schule anstrengen, die 
Gebote halten); GEFALLEN BEI GOTT UND DEN MENSCHEN 
- die Hand aufs Herz legen (sich bemühen, wie Jesus zu sein, das Rechte 
wählen, freundlich sein). Erklären Sie, daß die Tips sich auf mehr als 
eine Kategorie beziehen können. Singen Sie das Lied „Ich möchte so sein 
wie Jesus." (Kinderstern, April 1990, 6f.) 

2. Bitten Sie vier Erwachsene, die folgenden Geschichten zu 
erzählen: Die Speisung der 5000 (siehe Matthäus 14:15-21); die 
Auferweckung der Tochter des Jäirus (siehe Markus 5:21-24); 
die Auferweckung des Lazarus, (siehe Johannes 1 1 :l—45.) 
Bezeugen Sie, daß Wunder uns heilen und uns Trost schenken 
können. Erklären Sie, daß das größte Wunder in Johannes 3:16 
beschrieben ist. Lassen Sie die Kinder diese Schriftstelle aufsagen. 
Singen Sie das Lied „Er sandte seinen Sohn", Kinderstern, April 
1992, lOf.) D 



KINDERSTERN 

6 




Jesus Christus^ 
zeigtuns 
den Weg j 



Bild A 



Wie kann ich wachsen? 




Die Gebote 
halten. Über 
die heiligen 

Schriften 
nachsinnen. 




Das Richtige 

essen. 

(Siehe LuB 89.) 

Sport treiben. 





Versuchen, 

so wie er 

zu sein. 




Anderen 

dienen. 

Oft beten. 




Bild B 



„In Sicherheit 

wohne der Liebling 

des Herrn." 

(Deuteronomium 33:12.) 



•***WK«hS.V 




.. • 



B 



*&&% 












ERZAHLUNG 



Nicht 

ein Haar 



Emily Cannon Orgill 

ILLUSTRIERT VON STEVE KROPP; DER ERRETTER, VON GARY L. KAPP 





Nur noch eine 
einzige Geschichte", 
bettelte Beth. 
„Noch eine?" Ihr Vater 
schlug das Bilderbuch, 
aus dem er gerade 
vorgelesen hatte, zu 
und lachte. 

„Ich kann noch nicht 
einschlafen, ich bin noch 
kein bißchen müde." 
^%i Beth ging gar nicht gern ins Bett - vor allem 

seit ihre große Schwester ein eigenes Zimmer 
bekommen hatte und Beth abends ganz alleine war. 
Vorher waren Beth die Schatten und die leisen 
Geräusche der Nacht nie so aufgefallen. 

„Hmmm . . ." Ihr Vater strich sich über das Kinn. 
„Manchmal kann ich abends deshalb nicht 
einschlafen, weil ich mir wegen irgend etwas 
Gedanken mache. Dann kann ich immer in den 
heiligen Schriften etwas finden, was mir hilft oder 
mich tröstet." Er griff nach Beths Nachtschrank und 
nahm die abgegriffenen heiligen Schriften, die ihrer 
Mutter gehört hatten, in die Hand. „Machst du dir 
wegen irgend etwas Gedanken, Beth?" 

„Eigentlich nicht." Beth wollte nicht so gern 
zugeben, daß sie Angst hatte. 

Ihr Vater nickte verständnisvoll. „Es ist ein bißchen 
einsam, wenn man so allein ist im Zimmer. Vor allem 
im Dunkeln." Er blätterte im Neuen Testament. „Ich 
glaube, hier könnten wir etwas finden, was dir hilft, 
damit du dich besser fühlst. Laß mal sehen — " 




Als er die Stelle, die er suchte, 
gefunden hatte, streckte er die 
langen Beine aus und lächelte 
Beth zu. „In den heiligen Schriften 
steht, daß der himmlische Vater 
alles über uns weiß. Über jeden. Er 
weiß sogar, wie viele Haare wir 
haben. In Lukas 12:7 sagt Jesus 
uns: ,Bei euch aber sind sogar die 
Haare auf dem Kopf alle gezählt. 
Fürchtet euch nicht!'" 
„Mann!" Beth staunte. 

Der Vater strich ihr sanft über die Nasenspitze. 
„Und weil er dich so gut kennt, hat er dich sehr, sehr 
lieb." Er blätterte weiter. „Hier ist noch eine 
Schriftstelle. Sie wurde vor langer Zeit aufge- 
schrieben, aber sie klingt immer noch so, als spräche 
sie direkt zu dir. Diese ist im Alten Testament, in 
Deuteronomium 31:6: »Empfangt Macht und Stärke: 
Fürchtet euch nicht, und weicht nicht erschreckt 
zurück, wenn sie angreifen; denn der Herr, dein 
Gott, zieht mit dir. Er läßt dich nicht fallen und 
verläßt dich nicht.'" 

„Er verläßt mich nicht?" sagte Beth. 
„Nein, er läßt dich nie im Stich. Er gibt immer auf 
dich acht und sorgt für dich und tut, was für dich am 
besten ist. Du bist dem himmlischen Vater sehr 
wichtig. Gehen wir doch noch einmal zu der ersten 
Schriftstelle in Lukas 12 zurück, die wir eben gelesen 
haben. Ich fange mal mit Vers 6 an: Verkauft man 
nicht fünf Spatzen für ein paar Pfennig? Und doch 
vergißt Gott nicht einen von ihnen. 










Bei euch aber sind sogar die 
Haare auf dem Kopf alle gezählt. 
Fürchtet euch nicht! Ihr seid mehr wert als viele 
Spatzen.'" 

Beth war verwirrt. „Wie kann der himmlische Vater 
denn alle die kleinen Tiere und die Vögel und auch uns 
kennen und sich um uns kümmern?" 

„Das weiß ich nicht, aber ich weiß, daß er das tut. Ich 
habe vor ein paar Jahren in einer Zeitschrift der Kirche 
mal eine Geschichte gelesen. Es war eine wahre Begeben' 
heit mit einem kleinen Spatz, der in das Tabernakel in 
Salt Lake City geflogen war, als die Türen offenstanden."* 

„Du meinst das große Gebäude auf dem Tempelplatz, 
wo immer die Generalkonferenz stattfindet?" 

Ihr Vater nickte. „Das Gebäude war leer, als der 
Vogel hineinflog, und die Arbeiter im Tabernakel 
machten alle Türen auf, weil sie hofften, er würde dann 
hinausfliegen." 

„Und, hat er das gemacht?" 

„Nein. Sie baten um Hilfe, und es kamen Leute von 
der Stadtverwaltung mit Netzen an langen Stangen, um 
den Vogel zu fangen." 

Beth fiel ein, daß sie einmal ein Foto vom Innern des 
Tabernakels gesehen hatte. Die Decke sah sehr hoch 
aus. Die Stangen an den Netzen mußten aber sehr, sehr 
lang gewesen sein! 

Der Vater erzählte weiter: „Die Leute rannten von 
einem Ende des Tabernakels zum andern, um den Vogel 
zu fangen, aber das erschreckte ihn nur. Er flog ängst- 
lich zwischen der Orgel und dem Balkon hin und her. 
Die Leute, die im Tabernakel arbeiteten, wußten nicht 
weiter. Am Abend sollte ein wichtiges Konzert statt- 
finden, und sie hatten nicht mehr viel Zeit. Sie mußten 
den Vogel hinaus bekommen." 

„Was haben sie denn getan?" fragte Beth ganz leise. 



„Den Leuten von der 
Stadtverwaltung fiel nichts anderes 
ein, deshalb schlugen sie vor, mit Luftgewehren auf den 
Spatz zu schießen." 

„Ach nein!" Beth war richtig beunruhigt. 

„Manche meinten, man müsse vergiftetes Futter 
auslegen, das der Vogel dann fressen sollte." 

„Ach, Papa, das haben sie doch wohl nicht gemacht, 
oder?" 

„Na ja", erzählte ihr Vater weiter, „der Mann, der 
für das Tabernakel zuständig war, wollte nicht, daß 
dem Vogel etwas geschah. Er dachte daran, wie wichtig 
der kleine Vogel dem himmlischen Vater war. Er wußte, 
daß der himmlische Vater schon wußte, was man mit 
dem Vogel machen sollte, deshalb wandte er sich ein 
bißchen ab und sprach leise für sich ein einfaches 
Gebet. Sofort gab der Heilige Geist ihm ein, was er 
tun sollte. Rasch gab er die Anweisung, alle Lichter 
auszumachen und alle Fenster und Türen, bis auf eine, 
zu verschließen. Bald fiel nur noch durch diese eine 
Tür Licht ins Tabernakel. Der Vogel sah das Licht, flog 
darauf zu und konnte so endlich in die Freiheit 
gelangen. Er flog hinaus und war wieder in 
Sicherheit." 

„Ich bin froh, daß der himmlische Vater dem Vogel 
geholfen hat." 

Der Vater beugte sich vor, um sie auf die Wange zu 
küssen. „Er ist immer da, und er hilft auch dir, Beth. Du 
mußt ihn nur darum bitten. Versprich mir, daß du das 
nie vergißt." 

„Ich verspreche es", sagte Beth lächelnd und 
kuschelte sich in ihr Bett. D 

"Siehe Ronald D. John, „Ein Spatz im Tabernakel", Kinderstern, 
Dezember 1989, 38f.) 



KINDERSTERN 

10 



DAS MACHT SPASS 



r 



Gebetspuzzle 

Julie Wardell 

Kleb die Puzzleteile auf dünnen 
Karton und schneide sie aus. 
Stell jedes Puzzle zusammen, indem 
du das Bild mit den Worten zusam- 
menbringst, die es am besten 
beschreiben. 



Neig 

beim Beten 

den Kopf. 



Verschränk 

beim Beten 

die Arme. 



Vergiß nicht, 

vor dem Essen 

zu beten. 



Knie abends 

und morgens zum 

Beten am Bett 

nieder. 



Denk daran, mit 

deiner Familie 

zu beten. 



Schließ 

beim Beten die 

Augen. 








Wer bin ich? 

Janet Fawcett Higginson 

Kannst du diese Menschen aus dem 
Neuen Testament benennen? Uberprüf 
deine Antworten anhand der angege- 
benen Schriftstellen. 



Ehe ich mich zur wahren Kirche 
bekehrte, verfolgte ich 
diejenigen, die an Jesus Christus 
glaubten. Nachdem ich Jesus in einer 
Vision gesehen hatte, wurde ich sein 
Jünger. Ich reiste viele Jahre als Missionar 
umher und verkündete den Juden und 
den Heiden das Evangelium. Mein erster 
Mitarbeiter auf Mission war Barnabas. 
Wer bin ich? (Siehe Apostelgeschichte 
9:1-22; 13:2, 9.) 





Ich war der erste leitende Apostel 
Jesu Christi. Mein Bruder 
Andreas und ich waren Fischer. 
Einer meiner Namen bedeutet „Fels". Wer 
bin ich? (Siehe Matthäus 4:18-20; 
Johannes 1:40-42.) 




Jesus trieb sieben Dämonen aus 
mir aus. Ich gehörte zu seinen 
Jüngern und sah ihn nach 
seiner Auferstehung als erste. Wer bin 
ich? (Siehe Lukas 8:2; Markus 16:9.) 



Ich hatte eine etwa zwölfjährige 
Tochter, die schwer krank 
wurde und starb. Jesus kam zu 
mir nach Hause und weckte sie von den 
Toten auf. Wer bin ich? (Siehe Lukas 
8:41, 42, 49-56.) 




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FÜR UNSERE KLEINEN FREUNDE 



Daniels Entscheidung 



Ann Woodbury More 



Als König Nebukadnezzar und seine Soldaten 
Jerusalem eroberten, nahmen sie viele Israeliten 
gefangen mit nach Babel. Dort gab der König seinem 
obersten Beamten, dem Oberkämmerer, einen wich- 
tigen Auftrag - er sollte die klügsten und gesündesten 
jungen Israeliten auswählen und sie in den Palast 
bringen und ihnen dort die Sprache und das Wissen 
der Gelehrten beibringen. 

Vier der jungen Israeliten, die ausgewählt wurden, 
waren Daniel und seine Freunde Hananja, Mischael 
und Asarja. Das Leben im Palast war ganz anders als 
ihr gewohntes Leben zu Hause. Im Palast erhielten sie 
babylonische Namen: Beltschazzar, Schadrach, 
Meschach und Abed-Nego. 

Die Jungen erhielten auch besonderes Essen. Der 
König selbst aß es, aber Daniel wußte, daß es für ihn 
nicht gut war. Er bat den Aufseher, ihn nicht zu 
zwingen, das Essen zu essen und den Wein zu trinken. 



Der Aufseher meinte aber, Daniel müsse das 
Essen zu sich nehmen, sonst wäre er nicht so 
gesund wie die anderen Jungen. Dann war der 
König vielleicht zornig und ließ ihn, den Aufseher, 
töten. 

Daniel wollte nicht, daß dem Aufseher etwas 
geschah, deshalb bat er darum, daß er und seine 
Freunde zehn Tage lang nur pflanzliche Nahrung 
und Wasser bekamen. Dann sollte man sie mit den 
übrigen jungen Israeliten vergleichen. Wenn die vier 
Freunde nicht so gesund waren wie die anderen, 
wollten sie dann auch das Essen des Königs zu sich 
nehmen. 

Der Aufseher war damit einverstanden. Nach 
zehn Tagen waren Daniel und seine Freunde stark 
und voller Energie. Sie sahen gesünder aus als die 
anderen Jugendlichen. Und sie waren sogar weiser als 
die Ratgeber des Königs! (Siehe Daniel 1:1-20.) D 



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Entscheide dich so wie Daniel 

Weißt du, was für dich gut ist? Mal das an, was gut für dich ist. 
Streich alles durch, was nicht gut für dich ist. 







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MÄRZ 1999 

13 



PAPAS TRICK 



Vira H. Blake 

(Nach einem tatsächlichen Ereignis) 



ILLUSTRIERT VON JULIE F. YOUNG 





icke Tränen liefen Bobby über das Gesicht, 
während er zusah, wie Freddie und Dick 
Freddies Planschbecken zu Dick hinüber 
schleppten. 

Auf dem Heimweg von der Schule hatten die drei 
Jungen begeistert darüber nachgedacht, wie sie ihr 
Dschungelversteck in dem Erdhaufen hinter Dicks 
Garage anlegen wollten. Dicks Vater hatte es ihnen 
erlaubt. 

Freddies Planschbecken sollte ihr verborgener See 
sein. Die grünen Zweige, die Dicks Vater von den 
Schattenbäumen abgeschnitten hatte, sollten die 
Bäume im Dschungel darstellen. Sie wollten ihre 
Stofftiere und interessant geformte Steine und Stöcke 
als Tiere verwenden. Bobby wußte, wo ein gebogener 
Stock mit Streifen lag, der wie eine Schlange aussah. Er 
wollte ihn in einen der Bäume legen und so tun, als 
wäre er eine riesige Python. 

Sie wollten kurze Hosen anziehen und barfuß laufen. 
Dann konnten sie mit Pfeil und Bogen durch den 
Dschungel kriechen und so tun, als ob sie nach wilden 
Tieren jagten. Das mußte ja Spaß machen! 

Bobby war ins Haus gerannt, um sich etwas zu essen 
zu holen und seine abgeschnittenen Jeans anzuziehen - 
und da hatte er an der Kühlschranktür den Zettel 
gesehen: VERGISS ES NICHT, BOBBY! Liebe Grüße, 
Mama. 

Er war so enttäuscht, daß er nicht 
einmal nachsah, was sie ihm zu essen 
hingestellt hatte. Wer hatte schon Lust 
zu essen, wenn er zwei Reihen Mais 
jäten mußte, ehe er spielen konnte! 

Es half ihm auch nicht, daß er 
genau wußte, daß es seine eigene 
Schuld war. Er hatte den ganzen 
Samstag herumgespielt, während seine 
Eltern, Susan und Peggy ihre Reihen 
gejätet hatten. Und als er dann gerade 
anfangen wollte, waren Tante Alice, 
Onkel John, Nick und Michael 
gekommen. 

„Du brauchst es ja nicht sofort zu 
machen", hatte seine Mutter gesagt. 



„Schließlich wollen wir deine Vettern nicht enttäu- 
schen, nachdem sie die weite Fahrt gemacht haben, um 
mit dir zu spielen." Aber dann hatte sie deutlich gesagt: 
„Dafür darfst du Montag erst dann spielen gehen, wenn du 
deine Reihen gejätet hast." 

Und jetzt hing da der Zettel und erinnerte ihn daran. 

Bobby begann zu weinen. Es war ein schreckliches 
Gefühl. Es wurde noch schlimmer, als er Freddie und 
Dick mit dem Planschbecken vorübergehen sah. Jetzt 
legten sie den Dschungel ohne ihn an. Und es war seine 
eigene Schuld. 

Er trottete in den Garten und fing an, das Unkraut 
auszurupfen. Er begann rasch, in der Hoffnung, noch ein 
bißchen spielen zu können, ehe es Zeit für das 
Abendessen war. Dann fiel ihm ein, daß sein Vater ihm 
gesagt hatte, er sollte ganz besonders vorsichtig sein, weil 
die Maispflanzen noch sehr klein waren. Er konnte gar 
nicht schnell arbeiten, weil er ja vorsichtig sein mußte! 

Als er die Reihe mit dem Mais hinuntersah, sah sie 
aus wie eine Straße, die nirgendwo zu Ende ist. Und er 
mußte zwei von diesen Reihen jäten, ehe er spielen 
konnte! Das konnte er nie schaffen. Seine Freunde 
mußten ohne ihn im Dschungel spielen. 

Bobby fing wieder an zu weinen, was alles nur noch 
schlimmer machte, weil er ja, während er weinte, kein 
Unkraut ausrupfen konnte. 

















Er bemerkte, daß ein Schatten näher kam, und sah 
auf. Sein Vater stand hinter ihm. 

Normalerweise freute Bobby sich sehr, wenn sein 
Vater nach Hause kam. Aber heute nicht. Wenn er 
schon da war, bedeutete das, daß es bald Abendessen 
gab, und dann konnte er gar nicht mehr spielen. 

„Mein Junge sieht aus, als ob er Kummer hätte", 
sagte sein Vater. 

Bobby versuchte die Tränen hinunter zu schlucken. 

„Diese Reihen kommen dir sicher ziemlich lang vor", 
meinte der Vater. 

„Ja", sagte Bobby. Seine Unterlippe zitterte schon 
wieder ein bißchen. „Und Dick und Freddie machen 
einen Dschungel - und ich kann nicht mithelfen." 

„Ich kenne einen Trick", sagte der Vater. 

„Was für einen Trick?" 

„Wie man es schafft, daß eine lange Reihe kürzer 
wird", antwortete sein Vater, und seine Augen zwin- 
kerten. 

„So einen Trick gibt es nicht." 

„Doch", sagte der Vater. „Sieh mal", und er warf 
einen kleinen Stock ein bißchen die Reihe hinunter. 
„Wenn du nicht weiter blickst als bis zu dem Stock, wird 
die Reihe kürzer. Probier das doch mal aus." 

Bobby begann mit dem Unkrautjäten. Schon bald 
war er an dem Stock angelangt. 

„Jetzt mußt du ihn wieder ein bißchen weiter werfen. 
Aber du darfst dabei nicht nach oben schauen", sagte 
sein Vater. 

Diesmal schien Bobby noch schneller bei dem Stock 
anzukommen. Sein Vater warf den Stock wieder, und 
Bobby jätete bis dahin, dann noch einmal. Plötzlich 
stieß Bobby fast mit dem Kopf gegen den Zaun. Er war 
am Ende der Reihe angekommen! „Mann! Die Reihe ist 
wirklich kürzer geworden!" 



„Jetzt machst du mit der anderen 
Reihe das gleiche", schlug sein 
Vater vor. 

Bobby warf den Stock und jätete 
dann bis dahin. Immer wieder warf 
er den Stock und jätete bis dahin. 
Und dann war er, fast wie durch 
Zauberhand, auf einmal fertig! 
„Jetzt sieh dir mal die Reihen an", sagte sein Vater. 
Bobby staunte. Die beiden Reihen waren gar nicht 
kürzer geworden. Sie waren genauso lang wie die 
anderen Reihen im Garten, genauso wie vorher. 

Da wurde Bobby klar, was der „Trick" seines Vaters 
bedeutete. Um eine Arbeit schneller zu erledigen, muß 
man sich immer ein Stück vornehmen und sich anstrengen, 
so gut man kann. Er sah auf. Die Sonne war noch ein 
gutes Stück von den Bergen entfernt. Sein Vater war 
wohl früher als sonst nach Hause gekommen. Er hatte 
noch Zeit zum Spielen. 

„Juchhee!" schrie Bobby. Er drückte seinen Vater ganz 
fest und holte seinen „Schlangenstock" und rannte zu 
Dick, um mitzuhelfen, den Erdhaufen in einen dunklen, 
geheimnisvollen Dschungel voller Spaß und Abenteuer 
zu verwandeln. D 



KINDERSTERN 

16 




BESUCHSLEHRBOTSCHAFT 



IN DER FÜLLE LEBEN UND UNS AUF 
DIE EWIGKEIT VORBEREITEN 



Die meisten von uns machen 
sich irgendwann Gedanken 
über den Sinn des Lebens. 
Präsident Brigham Young hat zu 
diesem Thema gesagt: „Wozu sind 
wir hier? Daß wir lernen, mehr 
zu bekommen, und daß wir uns 
mehr Erkenntnis und Erfahrung 
aneignen." (Lehren der Präsidenten der 
Kirche: Brigham Young [1997], 85.) 

Drangsal gehört zu den grundle- 
genden Erfahrungen des Lebens. 
Drangsal kann uns zu vermehrter 
Erkenntnis verhelfen, und wenn wir 
an den Grundsätzen des Evangeliums 
festhalten, kann sie uns auch zu 
größerer Freude verhelfen. 

PRÜFUNGEN HABEN IHREN SINN 

Eider Richard G. Scott hat einmal 
gesagt: „Sie sind zu einem gottgege- 
benen Zweck auf der Erde. Dieser 
Zweck besteht nicht darin, daß man 
unablässig unterhalten wird oder 
ständig nach Vergnügen sucht. Sie 
sind hier, um geprüft zu werden und 
sich zu bewähren, damit Sie die 
weiteren Segnungen, die Gott für Sie 
bereithält, empfangen können. . . . 
Der Herr ist auf Ihre Entwicklung 
bedacht." („Im Leben Freude finden", 
Der Stern, Juli 1996, 24.) 

Prüfungen können uns dazu I 

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motivieren, uns weiterzuent- 
wickeln, wie das Leben von 
Florence Chukwurah aus 
Lagos in Nigeria zeigt. 
Schwester Chukwurah 
arbeitete in ihrer Jugend 
unablässig, um die finanzielle 
Not, in der ihre Familie lebte, 
zu überwinden. „Zunächst, 
erinnert sie sich, ,beschloß ich, 



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der Armut zu entkommen, indem ich 
mich ernsthaft an Gott wandte.' 
Neben dieser grundsätzlichen 
Entscheidung faßte sie drei weitere 
praktische Beschlüsse. ,Ich entschloß 
mich, meinen Eltern und älteren 
Menschen zu gehorchen. Ich 
entschloß mich, die Schule ernst zu 
nehmen. Und ich entschloß mich, 
auch mit den Händen hart zu 
arbeiten.'" Durch große Anstren- 
gungen und eiserne Willenskraft 
schaffte sie es, mit für den 
Lebensunterhalt ihrer Familie zu 
sorgen und eine Ausbildung zu absol- 
vieren. Sie wurde Krankenschwester 
und dann Hebamme. Noch größer 
als das Streben nach materiellem 
Erfolg war allerdings die Sehnsucht, 
eine Familie zu haben, die fest im 
Erretter und seinen Lehren verankert 
war. Sie und ihr Mann, der den glei- 
chen geistigen Hunger hatte, beteten 
eifrig, um die Wahrheit zu finden. Als 
sie die Kirche dann schließlich 
kennenlernten, wußten sie, daß ihr 
Beten erhört worden war. 

Heute ist Schwester Chukwurah 
dankbar für die Segnungen, die sie 
bekam, während sie mit ihren 
Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. 
,„Der Herr hat meine Gebete 
erhört', sagt sie. ,Er hat mein 
Ringen und meine Suche 
fc nach einer strahlenden 
und glücklichen Zukunft 
verstanden. Er hat meine 
Anstrengung mit so vielen 
Segnungen belohnt, daß ich 
sie gar nicht alle aufzählen 
kann. Seit ich mich der 
Kirche angeschlossen habe, 
wache ich mit Frieden im 

MÄRZ 1999 
25 



Herzen auf. Im Herzen singe ich die 
ganze Zeit.'" („Florence Chukwurah: 
eine wunderbare Wandlung", Der 
Stem, Juni 1996, 12.) 

IM EWIGEN FORTSCHRITT 
FREUDE FINDEN 

Mögen wir auf unserer Reise auf 
dem manchmal schwierigen Weg zum 
ewigen Leben daran denken, daß der 
himmlische Vater möchte, daß wir 
dabei Freude haben. Die Erde ist voll 
Schönheit, und das Leben bietet uns 
viele Möglichkeiten, wundervolle 
Beziehungen zu unseren Mitmen- 
schen anzuknüpfen. Außerdem ist viel 
von dem Kummer in der Welt 
unnötig. Wie Eider M. Russell Ballard 
es erklärt hat: „Der Plan des Glück- 
lichseins steht allen Kindern Gottes 
offen. Wenn die Welt ihn annehmen 
und danach leben würde, würden 
Frieden, Freude und Fülle auf der 
Erde überwiegen. Viel von dem Leid, 
das wir heute kennen, gäbe es 
nicht mehr." („Answers to 
Life's Questions", Ensign, 
Mai 1995, 22-24.) 

Das Evangelium Jesu 
Christi lehrt uns, was wir 
wissen und tun müssen, 
um in der Fülle und in 
Freude zu leben, während 
wir uns auf die Ewigkeit 
vorbereiten. D 



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Anschauungsmate 





Jon R. Howe fotos von jed clark und craig dimond 

Um seine Zuhörer zu unterweisen und sie zu 
inspirieren, verwendete der Erretter häufig 
Anschauungsmaterial, das ihnen vertraut 
war - eine verlorene Münze, ein verlorenes 
Schaf, eine wertvolle Perle. Als Evangeliumslehrer 
können auch wir gutes Anschauungsmaterial verwenden, 
indem wir (1) in den heiligen Schriften forschen, (2) 
Anschauungsmaterial verwenden, das unseren Schülern 
vertraut ist, und (3) kreativ sind. Drei Warnungen: gehen 
Sie nur kurz auf das Anschauungsmaterial ein, machen 
Sie es einfach, und lassen Sie nicht zu, daß der ganze 
Unterricht davon beherrscht wird. 

. Um die Lehrer in unserer Gemeinde dazu anzuhalten, 
besseres Anschauungsmaterial zu verwenden, rief ich 
einmal diejenigen, die die Lehrerschulungsversammlung 
besuchen sollten, an und bat sie, an das beste 
Anschauungsmaterial zurückzudenken, das sie je gesehen 
hatten. Die Antworten waren wundervoll und weckten ein 
ungewöhnlich tiefgehendes Interesse an unserer bevorste- 
henden Versammlung. Zu Beginn der Versammlung 



verwendeten meine Frau Rosie und ich die Antworten, 
um fast 30 Arten von Anschauungsmaterial an der 
Tafel aufzuführen. Wir verbrachten die übrige 
Zeit damit, die Lehrer dazu anzuhalten, von dem 
Anschauungsmaterial zu erzählen, das auf sie den größten 
Eindruck gemacht hatte. 

Eunice Black, eine FHV-Lehrerin, erzählte beispiels- 
weise von einem Sprecher, der 10 Äpfel aufgereiht 
hatte, die sein monatliches Einkommen darstellen 
sollten. Er „zahlte" einen Apfel für Essen, zwei Äpfel für 
die Miete usw., bis nur noch ein Apfel übrig war - der 
Zehnte. Dann bat er den Bischof, sich neben ihn zu 
stellen. Er sagte, er hoffe, der Herr möge Verständnis 
dafür haben, daß er noch diese und jene Rechnung zu 
bezahlen hatte und in dem Monat den Zehnten nur zum 
Teil zahlen konnte. Dann biß er kräftig in den Apfel und 
gab dem Bischof den angegessenen Apfel. Dies 
hinterließ bei Schwester Black einen nachhaltigen 
Eindruck. Sie beschloß, erst den Zehnten zu zahlen und 
dann das übrige Geld einzuteilen. 



DER STERN 

26 



rial, das motiviert 







David Baugh, der 
Berater des Diakons- 
kollegiums, erzählte eine 
Geschichte von einem 
rohen Ei, das in mehrere 
* Lagen Eierkarton und 
Klebeband eingewickelt worden 
war. Der Lehrer hatte die Klasse aufgefordert, das 
Päckchen an die Wand und auf den Fußboden zu werfen. 
Dann hatte er es wieder an sich genommen und die 
Verpackung aufgemacht und den Schülern das unversehrte 
Ei darin gezeigt. So hatte er ihnen vermittelt, daß das 
Evangelium sie alle schützen sollte - nämlich indem es 
ihnen half, sich in mehrere Schutzschichten des Zeugnisses 
einzuhüllen, indem sie die Gebote hielten. 

Die PV-Lehrerin Pam Lareaux erzählte, wie ihre 
Großmutter sie einmal in ein ganz dunkles Zimmer 
mitgenommen hatte. Dort hatte sie eine Kerze ange- 
zündet und Pam gezeigt, wie sie mit dieser Kerze weitere 
Kerzen anzünden konnte. Dann hatte die Großmutter 



ihr erklärt, wie wichtig es ist, daß man ein Vorbild ist und 
anderen Zeugnis gibt. Das machte auf Pam so großen 
Eindruck, daß sie ihre Großmutter bei jedem Besuch bat, 
das Erlebnis zu wiederholen. 

Ich erzählte auch von meinem liebsten 
Anschauungsmaterial. Vor fast 40 Jahren hatte der 
Ratgeber des Bischofs in einer Gruppe von Diakonen ein 
sauberes, neues Bonbon herumgehen lassen. Dann hatte 
er das inzwischen etwas schmutzige und klebrige Bonbon 
hochgehalten und gesagt, wer es haben wolle, könne es 
jetzt essen. Niemand wollte es mehr haben. Dieser weise 
Lehrer hatte uns dann aufgefordert, daran zu denken, 
wenn wir alt genug seien, mit Mädchen auszugehen. Wir 
sollten sittlich rein bleiben und die Mädchen, mit denen 
wir ausgingen, achten. Das war eine Lektion zum Thema 
Keuschheit, die ich nie vergessen habe. 

Geistige Vorbereitung, zusammen mit inspiriertem 
Anschauungsunterricht, können uns helfen, die 
Grundsätze des Evangeliums besser zu verstehen. Und sie 
können uns motivieren, gute Entscheidungen zu treffen. D 



M A R Z 19 9 9 

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Wenn unsere 
Kinder irregehen 



Eider John K. Carmack 

von den Siebzigern 




DIE ELTERN VON KINDERN, DIE EINEN FALSCHEN 

WEG EINGESCHLAGEN HABEN, KÖNNEN IN DEN LEHREN 

DES EVANGELIUMS WEISUNG UND KRAFT FINDEN. 



Trotz unserer besten Anstren- 
gungen, unsere Kinder so zu 
erziehen, daß sie den Herrn 
lieben, seine Gebote halten und 
ein glückliches, produktives und 
gesundes Leben führen, gehen 
manche Söhne und Töchter in die 
Irre, beispielsweise indem sie Drogen 
nehmen, kriminell werden, unkeusch 
leben oder sogar ihre Eltern und 
andere Menschen mißhandeln. 
Andere Formen des Irregehens, die 
vielleicht weniger schlimm, aber doch 
beunruhigend sind, erleben wir, wenn 
sie weniger leisten, als sie könnten, 
wenn sie die Schule abbrechen und 
wenn sie im Leben wenig Sinn sehen 
und nicht glücklich sind. 

Zu den typischen Elternreaktionen 
gehören Kummer, Verzweiflung, 
Depressionen, Schuldgefühle, das 
Gefühl, man sei unwürdig und man 



habe versagt. In solchen Umständen 
können die Eltern auch zornig 
werden und sich in sich zurück- 
ziehen. Manchmal sind sie nahe 
daran, einfach aufzugeben. Solche 
Reaktionen machen normalerweise 
alles nur noch schlimmer und 
vertiefen die Probleme, vor denen 
die Eltern stehen. 

Meine Frau und ich haben 
Freunde, die wegen des Verhaltens 
ihres Sohns fast jedes Gefühl durch- 
gemacht haben, das ich oben 
genannt habe. Die letzten fünf, 
sechs Jahre waren für sie ein 
entsetzlicher Alptraum. Sie haben 
jede mögliche Methode ausprobiert 
und ihren Sohn sogar in teure 
Rehabilitationsprogramme gesteckt, 
in denen er sich normalerweise - 
trotz seiner guten Absichten - nur 
eine Woche hält. 



MÄRZ 1999 

29 



Der Vater hat mir mit den 
folgenden Worten sein Leid geklagt, 
aber auch Hoffnung geäußert: „Es 
gibt für Eltern von Jugendlichen, wie 
unser Sohn es ist, kein Handbuch. 
Man betet zum Herrn, er möge einen 
im Denken und Handeln lenken, 
und man hofft, daß man weise 
Entscheidungen trifft." Er und seine 
Frau, die fest im Glauben stehen, 
sagen: „Wir haben letztlich die 
Hoffnung, daß die Bande der ewigen 
Bündnisse stärker sein werden als die 
Bande des Widersachers, die sein 
Leben jetzt anscheinend fest im Griff 
haben, weil er ja im Tempel an uns 
gesiegelt ist. Wir leben mit der 
Hoffnung, daß der Tag kommen 
wird, an dem er zu seiner ewigen 
Familie zurückkehrt und von seinem 
Lebensweg umkehrt." 

Unsere Freunde stehen stellver- 
tretend für die Tausende anderer, die 
sich in ähnlichen Lebensumständen 
befinden, die fast über ihre Kräfte 
gehen. Eltern werden meist geprüft, 
während ihre Kinder heranwachsen, 
aber solche Schwierigkeiten können 
bei Kindern jeder Altersgruppe 
auftreten. Und Eltern hören nicht 
auf, sich Sorgen zu machen, wenn 
ihre Kinder erwachsen sind. 

In dem Bemühen, Eltern, die 
aufgrund des Verhaltens ihrer Kinder 
leiden, Verständnis und Hilfe anzu- 
bieten, halte ich es für hilfreich, 
wenn wir (1) zwei ähnliche Probleme 
betrachten, die manche Familien 
haben, und (2) Lehren studieren, 
die den Eltern auf grundlegende 
Weise helfen, mit solchen und 
anderen ähnlich schwerwiegenden 
Problemen umzugehen, und (3) 
erörtern, wie die Eltern in den 
Jahren des inneren Aufruhrs stark 
bleiben. 



ALKOHOL UND DROGEN 

•Alkohol. Ein Ehepaar trauerte 
und litt sehr, weil ein Sohn mit 13 
Jahren anfing, regelmäßig große 
Mengen Alkohol zu konsumieren. 
Er erholte sich von seinem Alkoho- 
lismus, der schließlich zu seinem 
frühen Tod führte, nie. 

Kurz bevor der Sohn sich die 
Krankheit zuzog, die sein qualvolles 



Leben beendete, fragte ein Bruder 
ihn: „Wann hast du zum ersten 
Mal getrunken?" Die Antwort war 
verblüffend und erhellend zugleich. 
Er erklärte, er sei erst fünf Jahre alt 
gewesen und habe einmal bei einem 
Freund gespielt, dessen Eltern nicht 
da gewesen seien. Der Freund hatte 
ihm Bier angeboten. Er wußte mit 
alkoholischen Getränken nichts 



Weil unsere Kinder einen anderen Weg gehen, als wir 
sie gelehrt haben, haben wir noch lange nicht das 
Recht, sie zu verstoßen. Wir können kaum ermessen, 
welche Kräfte bewirken, daß das Leben unserer Kinder 
außer Kontrolle gerät. 




DER STERN 
30 



anzufangen und hatte gemeint, es 
handle sich um Rootbeer, ein ameri- 
kanisches alkoholfreies Getränk. So 
hatte er zum ersten Mal Alkohol 
getrunken. Der Geschmack und die 
Wirkung sagten ihm zu. So war er 
dann schon mit 13 Alkoholiker. 

Solange der Sohn noch lebte, 
verbrachten die Eltern einen 
Großteil ihrer Zeit damit, zu beten, 
sich Sorgen zu machen und erfolglos 
zu versuchen, ihn zurückzugewinnen 
und ihm beizustehen. Sie fanden ihn 
in Billardhallen und Bars, mit seinen 
Zechkumpanen und im Gefängnis. 
Einige Jahre lang wußten sie nicht 
einmal, wo er war, was schrecklich 
war, weil die Phantasie noch 
schlimmer sein kann als die Realität. 
In anderen Jahren war er, mit der 
Hilfe der Anonymen Alkoholiker 
und der liebevollen Zuwendung 
anderer, die mit ähnlichen Problemen 
zu kämpfen hatten, nüchtern und 
führte ein produktives Leben. 

In all den Jahren des Herzeleids 
gaben die Eltern nie auf. Sie 
verbrachten zahllose Stunden auf 
den Knien; sie beteten für ihren 
Sohn und flehten oft um Erkenntnis 
dazu, wo er gerade war. Als seine 
Mutter schwer krank wurde, wußte 
keiner, wo der Sohn war, aber der 
Geist brachte den jungen Mann 
dazu, zum Telefon zu gehen und dann 
nach Hause zurückzukehren. Er half 
seinem Vater und seiner Schwester, 
seine sterbende Mutter in ihren 
letzten Tagen auf der Erde zu pflegen. 

•Drogen. In den Jahren während 
ich in Los Angeles als Priestertums- 
führer diente, hatten einige Eltern 
Kinder, die in die Drogenkultur 
abrutschten, wie sie in den sech- 
ziger Jahren so weit verbreitet war. 
Ein Vater bat mich um Rat und 



Trost. Zwei seiner Söhne waren von 
harten Drogen abhängig, was ihm und 
seiner Frau ein alptraumhaftes Leben 
bescherte. 

Während diese beiden ihre Kinder 
erzogen hatten, hatten sie zwar auch 
die Fehler gemacht, die normale 
Eltern hier und da machen, aber sie 
hatten ihren Kindern immer liebevoll 
ein gutes Beispiel gegeben und ihr 
Bestes getan, um sie zu Hause recht- 
schaffene Grundsätze zu lehren. 
Trotzdem hatten die beiden Söhne 
tragische Entscheidungen getroffen. 
Als bekannt wurde, wie schwerwie- 
gend das Problem war, verurteilten 
die Eltern sich streng, und der Vater 
fühlte sich unwürdig, weiterhin seine 
Aufgaben im Priestertum wahrzu- 
nehmen. Ich überzeugte ihn davon, 
daß er auch weiterhin in der Kirche 
dienen sollte, und bekundete mein 
Vertrauen in die Zukunft seiner 
Kinder. 

Ich habe ihm damals einige 
Gedanken zu einschlägigen Lehren 
vermittelt, die die Hoffnung und 
Erleichterung vermitteln, die man so 
nötig braucht, und möchte sie heute 
allen Eltern vermitteln, vor allem 
denen, die leiden und enttäuscht 
sind, weil ihre Träume für ihre Kinder 
zu Asche werden. 

EINSCHLÄGIGE LEHREN 

Manche Eltern leiden sehr, weil sie 
sich selbst unnötig die Schuld geben 
und meinen, sie seien schlechte 
Eltern gewesen. In dieser Lage 
wenden sie die wundervolle propheti- 
sche Aussage von Präsident David O. 
McKay falsch an: „Kein sonstiger 
Erfolg kann ein Versagen in der 
Familie wettmachen." (Conference 
Report, April 1964, 5; er zitierte 
damals J. E. McCulloch, Home: The 



Savior of Civilization [1924], 42.) Sie 
ziehen daraus den gar nicht beabsich- 
tigten Schluß, daß sie als Eltern 
versagt haben, weil sie ein Kind 
haben, das Drogen nimmt oder 
Alkohol trinkt; so sehr sie sich auch 
bemüht haben, kann nichts von dem 
Guten, das sie getan haben, kein 
Erfolg, den sie errungen haben, ihr 
elterliches Versagen wettmachen. 
Weil diese Aussage aber so gemeint 
war, daß sie Eltern dazu bewegen 
sollte, sich überhaupt um ihre Kinder 
zu kümmern, darf sie nicht so 
gedeutet werden, daß Eltern, die für 
ihre Kinder sehr viel Zeit und Mühe 
geopfert haben und trotzdem nicht 
den erwünschten Lohn erhalten, 
versagt haben. Die nähere Betrach- 
tung weiterer Ratschläge und Lehren 
kann uns hier einen tieferen Einblick 
vermitteln. 

•Vertrauen Sie dem Vater im 
Himmel. Unser Leben ist zum 
größten Teil eine komplizierte 
Mischung aus Freude und Kummer, 
Vergnügen und Schmerz, Gutem 
und Schlechtem. Der himmlische 
Vater weiß, wie es uns hier in der 
Sterblichkeit ergeht, schließlich hat 
er diese Bedingungen zugelassen und 
uns Entscheidungsfreiheit gewährt, 
sozusagen als lebendiges Labor 
für die menschliche Entwicklung. 
Darüber hinaus muß er selbst alle 
Bedingungen und Gefühle erlebt 
haben, die wir auch erleben, denn, 
wie der Prophet Joseph Smith erklärt 
hat: „Gott selbst war einst so, wie 
wir jetzt sind", und „hat auf einer 
Erde gelebt." (Lehren des Propheten 
Joseph Smith, Hg. Joseph Fielding 
Smith [1982], 353,354.) Es hat sich 
im Vorherdasein nicht nur einer 
seiner erwähltesten Söhne gegen ihn 
aufgelehnt, sondern dieser Sohn hat 



MÄRZ 1999 
31 



auch noch ein Drittel der Kinder des 
Vaters dazu überredet, einen teufli- 
schen Weg einzuschlagen. 

Wenn Sie als Eltern eines „verlo- 
renen" Kindes schlimme Schmerzen 
durchleiden, dann denken Sie an 
die Eltern in den heiligen Schriften, 
die ähnliches durchlitten haben. Zu 
ihnen gehören Adam und Eva, 
deren Sohn Kain seinen Bruder 
Abel ermordete, auch Lehi und 
Saria, deren ältere Söhne sich beide 
gegen sie auflehnten, Abraham, 
Isaak und Jakob, diese bedeutenden 
Menschen, die als Eltern zusammen 
mit ihren Frauen viel Kummer 
erlebten, Alma der Jüngere, der in 
Korianton einen rebellischen Sohn 
hatte, dazu Mosia, der mehrere 
rebellische Söhne hatte. 

1929 sagte Eider Orson F. 
Whitney vom Kollegium der Zwölf 
Apostel: „An die Eltern der 
Eigenwilligen und Widerspenstigen! 
Gebt sie nicht auf. Verstoßt sie nicht. 
Sie sind nicht völlig verloren. Der 
Hirt wird seine Schafe finden. Sie 
gehörten ihm, ehe sie euch gehörten 
- lange bevor er sie euch anvertraut 
hat; und ihr könnt sie nicht einmal 
annähernd so lieben wie er. Sie sind 
bloß unwissend vom rechten Weg 
abgewichen, und Gott ist der 
Unwissenheit gegenüber barmherzig. 
Nur die Fülle der Erkenntnis bringt 
auch die volle Verantwortlichkeit mit 
sich. Der himmlische Vater ist viel 
barmherziger, unendlich viel teil- 
nahmsvoller als selbst die besten 
seiner Diener, und das immer- 
währende Evangelium hat mehr 
Macht, zu erretten, als unser 
begrenzter Verstand es erfassen mag." 
(Conference Report, April 1929, 110.) 

Tatsächlich haben in allen 
Zeitaltern viele Eltern mit ihren 



Kindern schwere Kämpfe durchlitten 
und beim himmlischen Vater Unter- 
stützung und Weisung gefunden, 
wenn sie sich bemüht haben, 
Möglichkeiten zu finden, ihre Kinder 
zu erreichen. 

•Respektieren Sie die Entschei- 
dungsfreiheit. Eine beherrschende 
Lehre des Universums, die in allen 
Zeitaltern gilt, auch in den 
Ewigkeiten ehe Gott diese Erde 
schuf, ist die, daß Gott den 
Menschen Entscheidungsfreiheit 
gewährt - das Recht, sich zwischen 
Gut und Böse zu entscheiden. Weil 
wir Entscheidungsfreiheit haben, ist 
es nur gerecht, daß wir ihm darüber, 
wie wir sie nutzen, ob gut oder 
schlecht, Rechenschaft ablegen. Wenn 
wir keine Entscheidungsfreiheit 
hätten, wäre Gott für uns und für 
alles, was wir tun, verantwortlich, 
was dazu führen würde, daß wir 
niemals richtig wüßten, wie tief 
unsere Überzeugung in bezug auf Gut 
und Böse wirklich geht. 

Wir leben nicht in einer neutralen 
Welt. Gutes und Böses stürmen auf 
uns und unsere Kinder ein. Wenn wir 
unseren Kindern die richtigen 
Grundsätze vermitteln, können sie 
bewußte Entscheidungen treffen. 
Wenn die Kinder sich aber gegen die 
Lehren des Evangeliums entscheiden, 
müssen sie die Konsequenzen tragen, 
die manchmal schwerwiegend sind. In 
Lehre und Bündnisse lesen wir: „Mein 
Volk muß notwendigerweise gezüch- 
tigt werden, bis es Gehorsam lernt - 
wenn es sein muß, durch das, was es 
leidet." (LuB 105:6; Hervorhebung 
hinzugefügt.) Es ist zwar der schwieri- 
gere Weg, aber der Herr kennt die 
jungen Menschen, die in eine 
Abhängigkeit geraten sind; er wacht 
geduldig über sie, während sie durch 



eigene Erfahrung lernen, was gut und 
was böse ist. 

Eider Orson F. Whitney hat mit 
eigenen Worten etwas wiederge- 
geben, was der Prophet Joseph Smith 
einmal gesagt hatte, nämlich, „daß 
die ewige Siegelung glaubenstreuer 
Eltern und die gottgegebenen 
Verheißungen, die ihnen für den 
standhaften Dienst in der Sache der 
Wahrheit gelten, nicht nur sie 
selbst erretten, sondern auch ihre 
Nachkommen. Manche der Schafe 
mögen abirren, aber das Auge des 
Hirten sieht sie, und früher oder 
später werden sie spüren, wie die 
Greifarme der göttlichen Vorsehung 
sie erfassen und sie in die Herde 
zurückziehen. Ob in diesem oder im 
künftigen Leben, sie werden zurück- 
kehren. Sie werden der Gerechtigkeit 
ihre Schulden bezahlen müssen; sie 
werden für ihre Sünden leiden; und 
viele gehen einen dornigen Weg; 
aber wenn er sie zuletzt, wie den 
verlorenen Sohn, der bereit war 
umzukehren, zum Herzen und in die 
Obhut des liebenden und verge- 
bungsbereiten Vaters zurückführt, 
wird die schmerzliche Erfahrung 
nicht vergebens gewesen sein. Betet 
für eure sorglosen und ungehorsamen 
Kinder; haltet sie mit eurem Glauben 
fest. Hört nicht auf, zu hoffen und zu 
vertrauen, bis ihr die Errettung durch 
Gott seht." (Conference Report, April 
1929, 110.) 

Wir können und müssen von 
unseren Kindern viel erwarten, aber 
wir können sie nicht in die Form des 
Herrn zwingen. Unsere Kinder 
bleiben nur dann bei der Kirche 
und leben nur dann nach dem 
Evangelium, wenn sie das wollen. 
Wenn die widerspenstigen Kinder 
erwachsen werden, kommt vielleicht 



DER STERN 

32 



die Zeit, wo wir unsere derzeitigen 
Erwartungen und Methoden 
anpassen und die Dinge so akzep- 
tieren müssen, wie sie sind, statt 
weiter mit all der inneren Unruhe zu 
leben. Wir dürfen von unseren 
Kindern keine Vollkommenheit 
erwarten, sondern müssen uns mit 
Geduld und Liebe wappnen und die 
Dinge so sehen, wie der Herr sie sieht. 



•Hüten Sie sich davor, andere 
unredlich zu beurteilen. Weil nur 
Gott und Jesus Christus (siehe LuB 
76:68) wirklich beurteilen können, 
wie es im Herzen eines Menschen 
aussieht, können nur sie allein die 
Gerechtigkeit weise und vollkommen 
durch Barmherzigkeit mildern, 
nämlich dadurch bedingt, ob unser 
Herz weich geworden ist und ob wir 



,Manche der Schafe mögen abirren, aber das Auge des 
Hirten sieht sie, und früher oder später werden sie 
spüren, wie die Greifarme der göttlichen Vorsehung sie 
erfassen und sie in die Herde zurückziehen/' 




von unseren Sünden umgekehrt sind. 
Deshalb werden wir ermahnt, andere 
nicht unredlich zu beurteilen. Wenn 
wir andere streng schuldig sprechen, 
bringt uns das einen ähnlichen 
Schuldspruch von Seiten des himmli- 
schen Vaters ein. (Siehe die 
Bibelübertragung von Joseph Smith, 
Matthäus 7:1-3.) Gott ist, ebenso 
wie sein Sohn, ein völlig rechtschaf- 
fener und völlig vertrauenswürdiger 
Richter, der an Licht, Erkenntnis und 
Verständnis vollkommen ist. 

Eine besonders herzzerreißende 
Erfahrung machen Eltern, deren 
Kinder sich zum selben Geschlecht 
hingezogen fühlen. Die Eltern fragen 
sich vielleicht, wie sie ihren jungen 
Erwachsenen allgemein unterstützen 
können, ohne ein bestimmtes unsitt- 
liches Verhalten zu billigen. Strenge 
Verurteilung, die Drohung, den 
Betreffenden zu enterben, oder eine 
andere Mißhandlung des Sohns 
bzw. der Tochter hilft nicht. Die 
Eltern müssen dem jungen Mann 
bzw. der jungen Frau weiterhin liebe- 
volle Anteilnahme entgegenbringen, 
wobei sie aber gleichzeitig für das 
göttliche Gesetz der Keuschheit und 
Sittlichkeit einstehen. 

Weil unsere Kinder einen 
anderen Weg gehen, als wir sie 
gelehrt haben, haben wir noch lange 
nicht das Recht, sie zu verstoßen. 
Wir können kaum ermessen, welche 
Kräfte bewirken, daß das Leben 
unserer Kinder außer Kontrolle 
gerät. Nur Gott hat alle Hilfsmittel 
und alle Fakten, so daß er die Kräfte 
erkennt, die zu der unerwünschten 
Wirkung führen. Nur er allein kann, 
durch den Sohn (siehe Johannes 5:2), 
„jedes Tun vor das Gericht bringen, 
das über alles Verborgene urteilt, es 
sei gut oder böse" (Kohelet 12:14). 



NVI Ä R Z 19 9 9 

33 



Die Beziehung zu unseren Kindern 
ist kostbar. Wir dürfen sie nicht so 
rasch oder so streng verstoßen oder 
verurteilen, daß der Schaden fast 
nicht wieder gut zu machen ist. 

•Wenden Sie sich dem Erretter 
zu. Weil Gott die unausweichlichen 
Folgen der Entscheidungsfreiheit 
kennt - wir können uns alle entweder 
für das Richtige oder für das Falsche 
entscheiden, und wir alle sündigen in 
gewissem Maße - hat er uns einen 
Erretter gegeben, der uns aus unserer 
mißlichen Lage befreien kann. Der 
Erretter hat die Last unserer Sünden, 
Schmerzen, Krankheiten und 
Gefühle der Verzweiflung auf sich 
genommen, und wir können die 
heilende Kraft seines Sühnopfers 
erfahren, wenn wir unser Herz erwei- 
chen und von unseren Sünden 
umkehren und ein anderer Mensch 
werden. Er trauert in unserer größten 
Beunruhigung mit uns, auch wenn 
sein Weitblick verlangt, daß er in 
manchen Situationen zu unserem 
eigenen Nutzen seine Hand davor 
zurückhält, uns die Last zu rasch 
leichter zu machen. 

Der Geist der Lehren des Erretters 
vermittelt uns, wie wir reagieren 
sollen, wenn unsere Kinder irre- 
gehen. Wir müssen bereit sein, die 
„neunundneunzig" allein zu lassen, 
um nach dem einen zu suchen (siehe 
Lukas 15:17), das Haus zu durchsu- 
chen, um die verlorene Münze 
wieder zu rinden (siehe Lukas 
15:8-10') und sogar jemanden 
wieder zu Hause willkommen zu 
heißen, der unsere Habe verschleu- 
dert hat (siehe Lukas 15:1 1-32). Wo 
aber fangen wir an? 

•Suchen Sie den Herrn. 
Probleme mit Kindern, die irregehen, 
sind normalerweise kompliziert und 



von Kind zu Kind anders. Es gibt nicht 
die eine richtige Methode, solche 
Kinder zu unterweisen. Wenn wir den 
Herrn im Gebet um Hilfe bitten, ist 
das vielleicht die beste oder einzige 
Möglichkeit, wie wir für unsere 
Situation Weisung erhalten können. 
In Römer 8:26 erklärt der Apostel 
Paulus: ,;Wir wissen nicht, worum wir 
in rechter Weise beten sollen; der 
Geist selber tritt jedoch für uns ein mit 
Seufzen, das wir nicht in Worte fassen 
können." Wenn wir dem Herrn ganz 
nahe kommen und uns um Weisung 
durch den Geist bemühen, kann uns 
das helfen, zu erkennen, welche 
Schritte wir gehen sollen. 

•Erkennen Sie den Geist. Wenn 
wir uns dem Herrn in innigem und 
aufrichtigem Gebet genaht haben, 
müssen wir lernen, die Eingebungen 
des Geistes zu erkennen. In Lehre und 
Bündnisse verheißt der Herr: „Ich will 
dir von meinem Geist mitteilen, und 
er wird dir den Verstand erleuchten." 
(LuB 11:13.) Wir können durch den 
Geist konkrete Anweisungen zu dem 
erhalten, was unser Kind gerade 
braucht. 

•Gehen Sie den Eingebungen 
nach. Wenn der Geist uns etwas 
eingibt, müssen wir standhaft 
vorwärtsgehen. „Mit ganzem Herzen 
vertrau auf den Herrn", heißt es in 
den Sprichwörtern, „bau nicht auf 
eigene Klugheit." (Sprichwörter 3:5.) 
Manchmal erfordert es Glauben, das 
zu tun, wozu wir uns gedrängt 
fühlen. Nur der Herr kennt das 
Gesamtbild. Wenn wir bereit sind, 
ihm den Sinn und das Herz zuzu- 
wenden, können wir Einsichten 
erhalten, die es uns erlauben, jeweils 
das zu tun, was für unser Kind 
gut ist. Das Bewußtsein, daß wir 
uns vom Herrn leiten lassen, macht 



uns in unruhigen Zeiten innerlich 
stark. 

Vergessen Sie nicht, daß wir 
nicht im Stich gelassen werden. 
Die heiligen Schriften verheißen 
Hoffnung und Frieden. Daß Jesus 
Christus genau weiß, wie Eltern 
eines Kindes, das irregeht, zumute 
ist, geht aus seinem erhabenen 
Gleichnis vom verlorenen Sohn 
hervor. In jenem Gleichnis zeigt der 
Herr auf, daß wir letztlich fast alle 
Hindernisse überwinden können, 
wenn wir uns in Geduld üben und 
größere Weisheit und Einsicht 
entwickeln (siehe Lukas 15:11-32). 

•Geben Sie niemals auf. Wenn 
Sie Ihre Tochter oder Ihren Sohn 
jetzt nicht erreichen können, dann 
können Sie sich wenigstens weiter 
bemühen und ihn bzw. sie weiterhin 
lieben, denn schon der Wille, die 
Hand auszustrecken, für den 
anderen da zu sein und ihm zu 
helfen, ist ein Akt der Liebe, der 
nicht unbemerkt bleibt. Präsident 
Joseph E Smith hat den folgenden 
Rat gegeben, der mir in schwierigen 
Zeiten hilft: „Väter, wenn ihr euch 
wünscht, daß eure Kinder in den 
Grundsätzen des Evangeliums unter- 
wiesen werden, wenn ihr euch 
wünscht, daß sie die Wahrheit lieben 
und verstehen, wenn ihr euch 
wünscht, daß sie euch gehorsam und 
mit euch eins sind, dann habt sie 
lieb! . . . So widerspenstig sie auch 
sein mögen, . . . wenn ihr mit ihnen 
sprecht, dann nicht im Zorn, nicht 
streng, nicht verurteilend. Sprecht 
freundlich mit ihnen. . . . Ihr könnt 
sie nicht antreiben; sie lassen sich 
nicht antreiben." (Gospel Doctrine, 5. 
Auflage [1939],316.) 

Dieser prophetische Rat von 
Präsident Smith und die oben 



DER STERN 



zusammengefaßten Lehren sollten 
allen Eltern die Hoffnung schenken, 
daß sie es letztlich schaffen können, 
wenn sie nicht aufhören zu beten 
und hilfsbereit zu sein und wenn 
sie ihren Kindern nicht die Tür 
verschließen. Wir müssen unsere 
Kinder aufbauen und an ihnen 
festhalten. Wenn wir in ihren 
frühen Jahren in der Familie eine 



Freundschaft pflegen, die sie stärkt 
und unterstützt, haben wir eine 
bessere Chance, ihnen später in 
Prüfungen und Versuchungen helfen 
zu können. 

RAT AN DIE ELTERN 

Ich möchte ein paar Vorschläge 
dazu machen, wie Eltern in den 
Prüfungen, die sie als Eltern von 




Es gibt nicht die eine richtige Methode, solche Kinder zu 
unterweisen. Wenn wir den Herrn im Gebet um Hilfe 
bitten, ist das vielleicht die beste oder einzige 
Möglichkeit, wie wir für unsere Situation Weisung 
erhalten können. 



Kindern, die irregehen, machen, 
bestehen können. 

•Sorgen Sie in erster Linie für 
sich selbst. Ihre Kinder brauchen 
vielleicht Rat, Reife und Hilfe, damit 
sie mit schwierigen Situationen 
fertig werden. Wenn Sie in solchen 
kritischen Augenblicken physisch 
und seelisch nicht recht funktio- 
nieren, ist es weniger wahrschein- 
lich, daß Sie Ihren Kindern helfen 
können. Lassen Sie sich nicht in das 
Chaos ihres Lebens hineinziehen. 
Fahren Sie mit Ihrem sinnvollen Tun 
fort, so gut Sie können. 

Kinder können Sie herausfordern 
und Ihre Grundsätze und Ihr 
Urteilsvermögen in Frage stellen. 
Seien Sie bereit, sie an Ihrer Über- 
zeugung und Ihrer Weisheit teil- 
haben zu lassen. Manchmal ist der 
Augenblick zum Reden spät abends, 
wenn Sie müde sind, aber gehen Sie 
positiv auf solche Augenblicke ein, 
in denen die Tür zwischen Ihnen 
und Ihrem Kind aufgeht. 

• Suchen Sie Hilfe. Die medizini- 
sche Wissenschaft hat in den letzten 
Jahren viel über Alkoholismus, 
Drogenmißbrauch und andere 
schwerwiegende Übel und Zustände 
in Erfahrung gebracht. Ich fordere 
die Eltern von Alkohol- und 
Drogenabhängigen dringend auf, sich 
mit den neuesten Techniken und 
Dienstleistungen vertraut zu machen, 
die Ihnen helfen können, Ihre 
Jugendlichen, die in Schwierigkeiten 
stecken, zu rehabilitieren. Beraten Sie 
sich gegebenenfalls auch mit Ihren 
Heimlehrern, Ihren Kollegiumsfüh- 
rern und mit Ihrem Bischof bzw. 
Zweigpräsidenten. 

•Versuchen Sie nicht, sich selbst 
im Leben Ihrer kinder zu verwirk- 
lichen. Manche Eltern machen 



MÄRZ 1999 
35 



den Fehler, ihre Hoffnungen und 
Erwartungen ganz auf ihre Kinder zu 
richten. Natürlich ist es richtig, 
wenn Eltern sich über den Erfolg 
ihrer Kinder freuen, aber wenn sie 
auf ihre Erwartungen zu großen 
Nachdruck legen, setzen sie ihre 
Kinder unnötigem Druck und 
Streß aus. Es kann zu heftigen 
Zerwürfhissen zwischen Eltern und 
Kindern kommen, wenn die Eltern 
nicht verstehen und respektieren, daß 
die Wünsche und Bestrebungen ihrer 
Kinder anders sind als ihre eigenen. 

•Unterstützen Sie Ihr verkv 
renes Kind in Weisheit. Häufig gibt 
es andere Menschen, die in unru- 
higen Zeiten größeren Einfluß auf 
Ihr Kind haben als Sie. Einer von 
ihnen zündet vielleicht irgendwann 
den Funken, der dazu führt, daß Ihr 
Sohn bzw. Ihre Tochter anfängt, sich 
zu ändern. Das mag ein guter Freund 
oder eine gute Freundin sein, ein 
Lehrer oder eine Lehrerin, ein 
weiser Scoutführer, eine Seminarleh- 
rerin oder ein Priestertumsführer, 
eine JD-Leiterin, eine FHV-Leiterin. 
Manchmal überdenken junge 
Menschen ihre Entscheidungen oder 
ihr Leben, wenn sie mit dem Gericht 
oder mit der Polizei zu tun 
bekommen. 

Häufig wenden sich die Jugendli- 
chen allerdings wieder ihrer Familie 
zu. Wie im Gleichnis vom verlorenen 
Sohn kommt ein irregeleiteter Sohn, 
eine irregeleitete Tochter zu sich und 
kehrt nach Hause zurück, um dort 
Trost und Unterstützung zu suchen.- 
Wenn das geschieht, haben wir 
die Möglichkeit, unserem Kind zu 
helfen, einen neuen Anfang zu 
machen, nachdem wir es mit 
offenen Armen wieder aufgenommen 
haben. 



•Leugnen Sie Ihre Situation 
nicht vor sich selbst, und machen 
Sie sich keine unnötigen Vorwürfe. 

Es machen zwar alle Eltern Fehler, 
aber die meisten sind doch von dem 
Wunsch erfüllt, ihrer elterlichen 
Verantwortung ehrenhaft nachzu- 
kommen. Manche Eltern leugnen 
allerdings vor sich selbst, welchen 
Weg ihre Kinder eingeschlagen 



haben. Sie bringen Entschuldigungen 
vor und hoffen, daß die Beweise 
einfach nicht der Wirklichkeit 
entsprechen. Es ist besser, wenn alle 
Beteiligten rasch feststellen, ob ein 
Problem schwerwiegend ist oder 
nicht, denn die rechtzeitige Interven- 
tion kann viel dazu beitragen, daß 
problematischem Verhalten Einhalt 
geboten wird. 



Wie im Gleichnis vom verlorenen Sohn kommt ein irregelei- 
teter Sohn, eine irregeleitete Tochter zu sich und kehrt nach 
Hause zurück. Dann haben wir die Möglichkeit, unserem 
Kind zu helfen, einen neuen Anfang zu machen, nachdem 
wir es mit offenen Armen wieder aufgenommen haben. 




DER STERN 
36 



Andere Eltern lassen sich von 
Selbstmitleid und Scham überwäl- 
tigen. Solche Gefühle verdrängen 
vielleicht die Liebe zu ihrem Kind. 
Denken Sie daran, was es für Ihr 
Kind bedeutet, wenn die Eltern sich 
seiner schämen. Das kann einen Keil 
zwischen Eltern und Kind treiben 
und den Zugang zum verlorenen 
Kind unmöglich machen. 

•Vergessen Sie nicht die letzte 
menschliche Freiheit. Jeden Morgen 
müssen die Eltern, deren Kinder 
irregegangen sind, sich erneut die 
bange Frage stellen, ob sie auch 
weiterhin als Eltern funktio- 
nieren, lieben und dienen können, 
obwohl sie solche Schmerzen 
durchmachen müssen. Ich schlage 
vor, daß Sie an das Überleben von 
Viktor E. Frankl als Jude in einem 
Konzentrationslager denken. Es 
überlebte zwar nur einer von 28 
Gefangenen, aber Viktor Frankl 
schaffte es. Er schrieb später: „Es 
gäbe Beispiele genug, oft heroische, 
welche bewiesen haben, daß man 
etwa die Apathie eben überwinden 
und die Gereiztheit eben unter- 
drücken kann; daß also ein Rest 
von geistiger Freiheit, von freier 
Einstellung des Ich zur Umwelt auch 
noch in dieser scheinbar absoluten 
Zwangslage, äußeren wie inneren, 
fortbesteht. Wer von denen, die 
das Konzentrationslager erlebt 
haben, wüßte nicht von jenen 
Menschengestalten zu erzählen, die 
da über die Appellplätze oder durch 
die Baracken des Lagers gewandelt 
sind, hier ein gutes Wort, dort 
den letzten Bissen Brot spendend? 
Und mögen es auch nur wenige 
gewesen sein - sie haben Beweiskraft 
dafür, daß man dem Menschen im 
Konzentrationslager alles nehmen 



kann, nur nicht: die letzte mensch- 
liche Freiheit, sich zu den gegebenen 
Verhältnissen so oder so einzu- 
stellen." ( . . . trotzdem Ja zum Leben 
sagen [1982], 107f.; Hervorhebung 
vom Verfasser.) 

Er fügte hinzu, daß die 
Gefangenen, die ja der täglichen 
Grausamkeit und Rohheit, der 
Mißachtung des Lebens und der 
Menschenwürde ausgesetzt waren, 
entweder umkamen oder aber 
lernten, „daß es eigentlich nie und 
nimmer darauf ankommt, <was wir vom 
Leben noch zu erwarten haben, viel- 
mehr lediglich darauf: was das Leben 
von uns erwartet!" ( . . . trotzdem Ja 
zum Leben sagen [1982], 124f.; 
Hervorhebung vom Verfasser.) 

Unsere Freunde, deren Sohn 
ihnen soviel Schmerz bereitet 
hat, sagten mir: „Wir verbringen 
viel mehr Zeit mit den heiligen 
Schriften und auf den Knien als je 
zuvor." Eltern werden häufig in 
geistiger und seelischer Hinsicht 
viel stärker, wenn sie darum ringen, 
ihren irregeleiteten Kindern zu 
helfen und sie auf den richtigen 
Weg zurückzuholen. 

Zwar machen viele Eltern die 
harten und turbulenten Zeiten, wie 
ich sie hier beschrieben habe, nicht 
durch, aber manche, darunter auch 
die Familie, in die ich geboren 
wurde, haben mit erschreckenden 
Herausforderungen zu kämpfen. 
Lassen Sie sich nicht durch 
Schuldgefühle und Hoffnungslosigkeit 
lähmen. Bemühen Sie sich um 
geistige Hilfe und inneren Frieden. 
Seien Sie stark und mutig. Sie 
werden es schaffen. 

1919 zitierte Alonzo A. Hinckley, 
der damals Präsident des Zions- 
pfahls Deseret war, auf der 



Generalkonferenz Eider James E. 
Talmage vom Kollegium der Zwölf 
Apostel, wie folgt: „Ich verheiße den 
Heiligen im Zionspfahl Deseret: 
wenn sie so leben, daß sie ihren 
Söhnen und Töchtern in die Augen 
schauen können, und wenn einige 
von ihnen irregegangen sind, dann 
können die Eltern sagen: 'Das wider- 
spricht meiner Unterweisung und 
meinem Beispiel; es ist gegen alles 
liebevolle Bemühen, alle Langmut, 
allen Glauben, alles Beten und alle 
Hingabe, daß dieser Junge bzw. 
dieses Mädchen irregeht, - aber ich 
verheiße euch, ihr Väter und Mütter, 
daß nicht einer von ihnen verloren 
sein wird, außer wenn er so sehr 
gesündigt hat, daß er gar nicht 
mehr umkehren kann." (Conference 
Report, Oktober 1919, 161.) 

Aus diesem Rat sprechen Trost 
und Hoffnung. Wir verstehen viel- 
leicht nicht ganz, wie dieser Rat von 
Eider Talmage in diesem Leben in 
Erfüllung gehen soll, aber wir wissen 
ja, daß an der Beziehung zwischen 
rechtschaffenen Eltern und ihren 
Kindern mehr ist, als wir in diesem 
Leben verstehen können, und daß es 
für die Probleme, die in dieser 
Beziehung auftauchen können, mehr 
Hilfe gibt, als wir mit unserer weltli- 
chen Logik erfassen. Wir stehen in 
dem Ringen darum, die Siegelung 
zwischen uns und unseren Kindern 
zu retten und zu bewahren, nicht 
allein da. 

Ich hoffe, daß alle Eltern von irre- 
geleiteten Kindern ihr Bestes tun, 
um ihrem Kind zu helfen, und daß 
sie sich dabei trotz allem die strah- 
lende Hoffnung darauf bewahren, 
daß sie letztlich das Ziel ihrer gott- 
gegebenen Mission als Eltern 
erreichen. D 



MÄRZ 1999 
37 



Brot für die 

Mis SIONARE 



Marcelino Fernändez Rebollos Suärez 

ILLUSTRIERT VON TADD R. PETERSON 



Es war der Tag vor einer Missionarskonferenz in 
der Zone Castile-La Mancha in der Spanien- 
Mission Madrid. Der Missionspräsident, Richard 
H. Winkel, brachte den ganzen Tag damit zu, zusammen 
mit seiner Frau und den beiden 
Assistenten, Eider Borchert und 
Eider Allen, das Programm 



zusammenzustellen. Damit nichts vom Geist der 
Konferenz ablenkte, planten sie sorgfältig jedes Detail - 
den Ablauf, die Sprecher, die Lieder und die besonderen 
Musikdarbietungen. Sie achteten auch auf zeitliche 
Belange, zum Beispiel auf das Mittagessen für die 
Missionare, das nach der Konferenz gereicht 




werden sollte. Es wurden sechsund- 
zwanzig Missionare erwartet. 

Am Tag der Konferenz, die auf einen spanischen 
Feiertag fiel, lief alles wie geplant. Die Versammlungen 
waren sehr inspirierend und das Zeugnis der Missionare 
von ihrer Arbeit wurde gefestigt. 

Als Präsident Winkel und seine Frau dann aber 
begannen, das Mittagessen zuzubereiten, stellten sie fest, 
daß sie trotz aller sorgfältigen Planung vergessen hatten, 
Brot mitzubringen! Präsident Winkel wollte nicht, daß 
die Missionare die Konferenz hungrig verließen, deshalb 
gab er seinen Assistenten einen 5000-Peseten-Schein 
und schickte sie aus, 26 Brötchen zu kaufen. 

Draußen fanden Eider Borchert und Eider Allen 100 
Peseten auf dem Boden (was sie in ihren zwei Jahren in 
Spanien nie zuvor erlebt hatten). Sie konnten den 
Besitzer nicht ausfindig machen und das Geld auch nicht 
zurückgeben, deshalb gingen sie nun mit 5100 Peseten 
weiter, um Brötchen zu kaufen. 

Den beiden Missionaren wurde bald klar, daß wegen 
des Feiertags alle Lebensmittelgeschäfte geschlossen 
waren. Deshalb beschlossen sie, in einer der vielen 
Gaststätten in der Hauptstraße der Stadt Brot zu kaufen. 
Sie gingen in die erste Gaststätte, die sie sahen, und 
baten um 26 Brötchen. Der Besitzer erklärte ihnen, er 
könne nur ein Brötchen erübrigen. Die Missionare 
kauften das Brötchen für 60 Peseten und gingen mit den 
5040 Peseten, die sie jetzt noch hatten, zur nächsten 
Gaststätte. 

Auch in der zweiten Gaststätte konnte ihnen der Wirt 
nur ein Brötchen verkaufen. Er verlangte 50 Peseten. Die 
Missionare legten ihr Geld - die 40 Peseten und den 
5000-Peseten-Schein auf die Theke. Der Wirt konnte die 
5000 Peseten nicht wechseln, deshalb überließ er ihnen 
das Brötchen für 40 Peseten. 

Mit 5000 Peseten und zwei Brötchen gingen die 
Missionare in die dritte Gaststätte und baten um 24 




Brötchen. Sie legten ihren 5000-Peseten- 
Schein auf die Theke. Der Wirt konnte ihnen 
nur ein Brötchen für 50 Peseten verkaufen. Weil er kein 
Wechselgeld hatte, schenkte er den Missionaren das 
Brötchen. 

Die Missionare betraten mit drei Brötchen und 5000 
Peseten die vierte Gaststätte und baten um 23 Brötchen. 
Wieder legten sie die 5000 Peseten auf die Theke. Und 
wieder konnte der Wirt ihnen nur ein Brötchen für 50 
Peseten verkaufen. Und wieder konnte er ihre 5000 
Peseten nicht wechseln und schenkte ihnen das 
Brötchen. 

Die Missionare betraten die fünfte Gaststätte mit vier 
Brötchen und 5000 Peseten. Sie baten um 22 Brötchen 
und legten ihre 5000 Peseten auf die Theke. Der Wirt 
konnte ihnen nur ein Brötchen für 50 Peseten verkaufen, 
aber weil auch er die 5000 Peseten nicht wechseln 
konnte, ließ er die Missionare ein Brötchen kostenlos 
mitnehmen. 

Und so ging es weiter. Etwas später kehrten die 
Missionare mit 26 Brötchen und dem 5000-Peseten- 
Schein, den sie ursprünglich mitgenommen hatten, zum 
Gemeindehaus zurück. 

Dieses Erlebnis erinnerte die Missionare daran, wie 
der Erretter die Menschenmenge, die schon drei Tage 
nichts zu essen gehabt hatte, nicht einfach ohne Essen 
nach Hause gehen lassen wollte. Jesus erklärte seinen 
Aposteln: „Ich will sie nicht hungrig wegschicken, sonst 
brechen sie unterwegs zusammen." Dank der Macht des 
Erretters konnten sie bei diesem Anlaß alle essen und 
wurden alle satt. (Siehe Matthäus 15:32-38.) 

Die Parallele aus unserer Zeit läßt sich an Bedeutung 
nicht mit dem Wunder der Brote und Fische verglei- 
chen. Aber eine Gruppe von Missionaren in Spanien 
erinnerte sie daran, daß der Herr heute wie in alter Zeit 
an seine Jünger denkt und daß er sie mit dem segnet, 
was sie brauchen. D 



MÄRZ 19 9 9 
39 



DIE GUTE LISTE 



Jack Weyland 

ILLUSTRIERT VON DILLEEN MARSH 



Wenn man Dan etwas 
Nettes sagte, konnte - oder 
wollte - er es nie annehmen. 
Ein typisches Gespräch mit seinem 
Lehrerkollegiumsberater verlief etwa 
folgendermaßen: 

„Hallo, Dan, schön, daß du 
gekommen bist! Wir können deine 
Hilfe in der Basketballmannschaft der 
Gemeinde gut gebrauchen." 

„Ich bin nicht gut im Basketball. Ich 
bin bloß gekommen, weil die andern mich dauernd ange- 
rufen haben." 

„Wärm dich trotzdem schon mal auf. Wir brauchen 
dich im Mittelfeld." 

„Ich bin im Mittelfeld aber nicht gut. Ich weiß nicht 
mal, was das ist." 

„Mhmmm, was machst du denn dann während des 
Spiels?" 

„Ich bemühe mich meistens darum, daß die andere 
Mannschaft Mitleid mit mir hat", sagte Dan mürrisch. 

Susan hatte anscheinend ein ähnliches Leiden. Aber 
bei ihr äußerte es sich, wenn sie in den Spiegel sah. 

„Mann, sehe ich schrecklich aus. Meine Haare sind 
furchtbar. Wieso kann ich nicht groß und schlank sein? 
Ist das zuviel verlangt?" 

Kommen Dan oder Susan euch bekannt vor? Klingen 
sie wie ihr? Wenn ihr euer schlimmster Kritiker seid, 




Wollt ihr euch wohler 

fühlen in eurer Haut? Hier 

findet ihr 10 Tips für ein 

glücklicheres Leben. 



1 



wenn ihr über euch selbst ganz 
viel Schlechtes sagen könnt, euch 
aber keine einzige gute Eigenschaft 
einfällt, wenn ihr ein Kompliment nicht 
annehmen könnt oder meint, ihr 
könntet nichts leisten, dann lest jetzt 
weiter. Dieser Artikel ist für euch 
bestimmt. Hier findet ihr 10 Schritte, 
die euch helfen, mit euch selbst zufrie- 
dener zu sein - so wie ihr seid. 



BITTET UM DIE GUTE LISTE UND BENUTZT SIE 

Ihr habt irdische Eltern, die euch lieben und in euch 
viel Gutes sehen. Oder ihr habt Großeltern, für die 
das gilt. Oder einen Bischof oder Heimlehrer, eine 
JD-Beraterin oder einen Priestertumsführer. Oder 
jemanden in eurer Familie, einen Lehrer, eine gute 
Freundin. Bittet sie um eine Liste eurer guten 
Eigenschaften. Wirklich. 

Ja, das fällt euch vielleicht schwer. Vielleicht habt ihr 
sogar Angst davor, daß sie euch deswegen auslachen. 
Versucht ihnen zu sagen: „Ich meine es ernst! Ich habe 
das aus Der Stern, und ich brauche deine Hilfe." 

Warum sollt ihr um die gute Liste bitten? Weil eure 
Mutter oder euer Vater oder ein anderer Mensch, den ihr 
achtet, euch schon lange kennt. Sie finden euch toll. Sie 
geben wahrscheinlich bei ihren Freunden mit euch an. 
Aber manchmal vergessen sie, euch direkt zu sagen, was 



MÄRZ 1999 
41 



sie an euch am meisten bewundern. Die gute Liste ist 
eure Chance, es zu erfahren. 

Eure Mutter oder euer Vater oder eure Großeltern 
haben euch zu den guten Eigenschaften, die sie an euch 
sehen, vielleicht schon etwas gesagt. Aber ihr 
habt euch vielleicht gesagt, daß sie das nur 
sagen, weil sie meinen, sie wären dazu 
verpflichtet, und deshalb habt ihr die 
Komplimente nicht ernst genommen. Mit 
der guten Liste habt ihr ihre Meinung 
schwarz auf weiß. 

Wenn ihr die gute Liste erst 
einmal habt, bringt ihr sie am 
besten irgendwo an, wo ihr sie 
jeden Tag seht. Klebt sie an 
eure Tür oder in eine 
Schublade, die ihr immer 
wieder aufmacht. Lest die Liste 
häufig, und zwar wenigstens 
einmal am Tag. Wenn ihr eine 
eurer guten Eigenschaften 
gelesen habt, denkt ihr kurz 
darüber nach und sagt euch: 
Das schaffe ich. Es ist vielleicht 
nicht ganz einfach, tut es aber 
trotzdem. 




ntdeckt 

die Macht des 
Betens. Es gibt 
jemanden, der 
euch schon vor eurer 

Geburt gekannt hat. Der himmlische Vater 
hat von euch eine hohe Meinung. Wenn ihr 
euch großartig fühlen wollt, dann dient 
anderen, wie Christus es getan hat. 



2. BRINGT EURE MEINUNG 
MIT DER MEINUNG DES 
HIMMLISCHEN VATERS IN 
EINKLANG 

Dies müßt ihr wissen: wenn ihr von euch selbst eine 
negative Meinung habt, dann ist sie falsch. Denkt über 
folgendes nach: der himmlische Vater hat von euch eine 
hohe Meinung. Ihr seid sein Sohn beziehungsweise seine 
Tochter, mit gottgegebenen Möglichkeiten (siehe LuB 
132:20). Eure Erhöhung ist sein Werk und seine 
Herrlichkeit (siehe Mose 1:39). 

Wenn er das Gute in euch sieht, wenn er euch wert- 
schätzt, solltet ihr dann nicht auch spüren, daß ihr 
wichtig seid? Der himmlische Vater möchte, daß ihr 
Freude habt, und wahre Freude hat man, wenn man 
weiß, daß man sein Sohn beziehungsweise seine Tochter 
ist, daß er für euch einen Plan des Glücklichseins hat 
und daß ihr nach seinem Plan lebt. 

Wie könnt ihr seinen Plan für euch kennen? Fangt an, 
indem ihr die Macht des Betens entdeckt. Es gibt 



jemanden, der euch schon vor eurer Geburt gekannt hat, 
der euch bei den Großen und Edlen hat stehen sehen 
und der gehört hat, wie ihr vor Freude gejauchzt habt, als 
ihr von dem Plan, uns zur Erde zu senden, erfuhrt. Lohnt 
es sich dann nicht, ihm zu erzählen, wie es euch geht? 
Dankt ihm für eure Segnungen. Bittet ihn um Hilfe. 
Bemüht euch, seinen Willen zu dem, was in eurem Leben 
vor sich geht, zu erfahren. Hört auf seine Antworten. 
Studiert die heiligen Schriften, und betet 
auch darüber. Sie sind eine großartige 
Anleitung. 

Auch der Patriarchali- 
sche Segen kann helfen. Er 
wird durch Inspiration 
gegeben - für euch allein. 
Er wird euch helfen, die 
Möglichkeiten zu sehen, die 
der Vater im Himmel für 
euch sieht. Euer Bischof 
kann euch helfen, euch auf 
diesen besonderen Segen 
vorzubereiten. Wenn ihr 
ihn erhalten habt, dann lest 
ihn regelmäßig. Er wird 
euch helfen, zu erkennen, 
daß euch wundervolle 
Segnungen offenstehen, wenn 
ihr so lebt, daß ihr dafür 
würdig seid. 



3. DIENT, SOVIEL IHR KÖNNT 

Der Erretter hat es am besten gesagt: „Wer aber das 
Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen." 
(Matthäus 10:39.) „Was ihr für einen meiner geringsten 
Brüder getan habt, das habt ihr mir getan." (Matthäus 
25:40.) König Benjamin hat gesagt: „Wenn ihr euren 
Mitmenschen dient, allein dann dient ihr eurem Gott." 
(Mosia2:17.) 

Wenn ihr euch großartig fühlen wollt, dann dient 
anderen, wie Christus es getan hat. Es wird euch helfen, 
an ihre Bedürfnisse zu denken und nicht immer nur an 
eure eigenen Sorgen. Und es wird euch helfen, euer 
Leben mit Sinn zu erfüllen. Stellt euch vor, ihr dient 
dem himmlischen Vater und seid bereit, euren 
Mitmenschen zu helfen. Was würdet ihr für sie tun? Was 
würde er für sie tun? Was würde der Erretter tun? Was 
könnt ihr tun? 



DER STERN 

42 



4. KEHRT JETZT SOFORT UM 

Es gehört nicht zum Plan des himmlischen Vaters, daß 
wir unaufhörlich wegen eines Problems, das wir auf 
rechtschaffene Weise gelöst haben, Schuldgefühle 
haben. Wenn wir aufrichtig umgekehrt sind, sollten die 
Schuldgefühle verschwinden - sie sind bloß als vorüber- 
gehendes Gefühl vorgesehen, das uns dazu bewegen soll, 
uns zu ändern. 

Allerdings können wir nicht einfach so tun, als ob 
unsere Sünden gar nicht existierten, oder 
sie ganz allein verschwinden 
lassen. Habt ihr wegen 
irgend etwas Schuldgefühle? 
Bis das bereinigt ist, könnt 
ihr in bezug auf euch selbst 
kein völlig gutes Gefühl 
haben. Bei schwerwiegenden 
Übertretungen müßt ihr euch 
vom Bischof helfen lassen 
(siehe LuB 58:42,43). Wenn 
ihr nicht so recht wißt, was 
ihr tun sollt, fragt ihn doch. 

Die gute Nachricht ist die, 
daß das Sühnopfer des Herrn 
Jesus Christus endlos und 
ewig ist. Es gilt auch für euch. 
Denkt über diese Worte 
Almas des Jüngeren nach: 

„Als ich so von Qual gepei- 
nigt war und durch die 

Erinnerung an meine vielen Sünden zerrissen wurde, da 
dachte ich auch daran, daß ich gehört hatte, wie mein 
Vater dem Volk prophezeite, daß ein gewisser Jesus 
Christus, ein Sohn Gottes, kommen werde, um für die 
Sünden der Welt zu sühnen. 

Als aber mein Sinn diesen Gedanken faßte, rief ich in 
meinem Herzen aus: O Jesus, du Sohn Gottes, sei barm- 
herzig zu mir, der ich in der Galle der Bitternis bin und 
von den immerwährenden Ketten des Todes 
umschlossen bin. 

Und nun, siehe, als ich dies dachte, konnte ich 
nicht mehr an meine Qualen denken; ja, ich wurde 
durch die Erinnerung an meine Sünden nicht mehr 
zerrissen. 

Und o welche Freude, und welch wunderbares Licht 
sah ich! Ja, meine Seele war von Freude erfüllt, die ebenso 
übergroß war wie meine Qual." (Alma 36:17-20.) 




L 



ernt, eure guten 

Eigenschaften zu akzeptieren. Sie sind 
wichtig. Lernt, die Schönheit der Schöpfung zu 
schätzen. Der Herr hat sie geschaffen, um 
euch glücklich zu machen. 



Der Satan wünscht sich, daß wir meinen, wenn wir 
einmal etwas falsch gemacht hätten, wäre alles verloren 
und wir könnten diese Sünde oder auch schwerwiegen- 
dere Sünden ruhig weiter begehen. Der Satan wünscht 
sich, daß wir uns selbst fertig machen, daß wir das 
Gefühl haben, wir könnten nicht mehr zur Kirche gehen, 

daß wir meinen, das Bekennen 
gegenüber dem Bischof 
wäre bloß peinlich und 
würde uns überhaupt nicht 
helfen. 

Aber nichts von alledem 
ist wahr. Ihr könnt ein neues 
Leben beginnen. Es ist 
wichtig, daß ihr zur Kirche 
geht. Wenn ihr eure Eltern 
und Geschwister an eurer 
Entwicklung teilhaben laßt, 
versteht ihr alles besser. Und 
euer Bischof ist dazu da, euch 
zu helfen, daß ihr das 
Sühnopfer des Erretters für 
euch wirksam werden laßt. 
Wenn ihr euch erst einmal 
mit dem Bischof unterhalten 
habt, habt ihr schon ein 
besseres Gefühl in bezug auf 
euch selbst. Warum? Weil er 
euch die Last, die ihr mit 
euch herumtragt, tragen hilft. 
Noch wichtiger ist, daß er euch hilft, eure Umkehr zu 
planen. Wahrscheinlich bittet er euch, bestimmte 
Schriftstellen zu lesen, zu beten und regelmäßig zu 
Gesprächen zu kommen. 

Vor allem hilft er euch, dem Erretter nahe zu sein und 
euch um die Eingebungen des Heiligen Geistes zu 
bemühen. Er macht euch klar, daß ihr ein neuer Mensch 
werden könnt. Er behält das, was ihr ihm sagt, für sich 
und ist euch ein Freund. Wenn ihr tut, worum er euch 
bittet, seid ihr schon auf dem Weg zu größerer Hoffnung, 
und ihr seid dankbar für die Liebe des Erretters, die die 
Vergebung möglich macht. 

5. SEHT DAS POSITIVE 

Wenn ihr mit dem Gedanken durch das Leben geht, 
„Ich mache ja doch nie etwas richtig", baut ihr um euch 
herum ein Gefängnis auf. Geht es lieber positiv an. 



MÄRZ 1999 

43 



Nehmt mal an, ihr habt eine schlechte Mathearbeit 
geschrieben. Statt zu sagen, „Mathe liegt mir nicht", 
könnt ihr doch konkreter sein. Sagt euch: „In der spezi- 
ellen Arbeit, an dem einen Tag war ich nicht so gut, wie 
ich es gern gewesen wäre." 

Diese Methode, die ich aus dem Buch 
Pessimisten küßt man nicht. Optimismus kann man 
lernen von Martin E. E Seligman habe, hilft 
euch, daß euer Selbstwertgefühl keinen 
Schaden erleidet. Hört mal zu, was ein 
Weltklassesportler, der nicht so gut war, 
meint, dann hört ihr etwas Ähnliches 
„Heute war ich nicht so gut drauf, aber 
morgen wird es schon wieder." Ein 
Champion läßt die Tür zu zukünftigem 
Erfolg immer offen. 

Wenn es um Positives geht, dann 
seid ganz allgemein. Wenn jemand 
merkt, daß ihr pünktlich seid, sagt 
ihr: „Ja, ich bin gern pünktlich." Wenn 
jemand euch ein Kompliment macht, versucht 
doch nicht, es ihm auszureden. Sagt einfach: „Danke." 







ja, zur Nahrung und zur Kleidung, zum Schmecken 
und zum Riechen, zur Stärkung des Leibes und zur 
Belebung der Seele. 

Und es gefällt Gott, daß er dies alles dem Menschen 
gegeben hat; denn es ist zu dem Zweck geschaffen 
worden, daß es gebraucht werde." (LuB 59:18-20.) 

Bedarf euer Herz der Freude? Geht dort 
spazieren, wo Bäume und Blumen 
sind. Schält eine Apfelsine und 
erfreut euch an dem Duft und 
Geschmack. Seht euch an, wie die 
Wolken am Himmel tanzen. Habt 
Freude an der Schöpfung des Herrn. 



7. FREUT EUCH ÜBER DEN SIEG DES 
ERRETTERS 

Denkt daran, daß das Sühnopfer des 
Herrn Jesus Christus euch große Segnungen 
ermöglicht. „Habt Mut", hat der Erretter 
gesagt. „Ich habe die Welt besiegt." (Johannes 
16:33.) Durch ihn könnt auch ihr die Welt 
besiegen. 



6. SAGT ETWAS NETTES 

Kennt ihr jemanden, der immer nur kritisiert? Fragt 
ihr euch manchmal, was er über euch sagt, wenn ihr 
nicht in der Nähe seid? Laßt andere nicht im Ungewissen 
über das, was ihr sagt. Macht aufrichtige Komplimente, 
wenn sich die Gelegenheit ergibt. Dann seid ihr selbst 
glücklicher, und auch andere sind es. Ihr könnt euer 
Selbstwertgefühl nicht festigen, wenn ihr eure Kraft 
dafür vergeudet, andere niederzumachen. 

Es geht nicht darum, was die Menschen anhaben oder 
wie sie aussehen. Jeder Mensch an eurer Schule, jeder in 
eurer Familie ist ein kostbares und geliebtes Kind des 
Vaters im Himmel. Er hat uns so völlig unterschiedlich 
erschaffen, was Größe, Gestalt, Herkunft und 
Fähigkeiten betrifft. Er liebt uns alle. Sollten wir das 
dann nicht auch tun? 

7. FEIERT DIE SCHÖPFUNG 

Wir lassen uns alle manchmal entmutigen. Aber hört 
euch an, was der Erretter gesagt hat: 

„Alles, was zu seiner Zeit aus der Erde kommt, ist zum 
Nutzen und für den Gebrauch des Menschen geschaffen, 
daß es sowohl das Auge erfreue als auch das Herz 
beglücke, 



9. FOLGT DEM PROPHETEN 

Präsident Gordon B. Hinckley spricht häufig darüber, 
wie dankbar er für die Stärke der heutigen Jugend ist. 
Auf seiner ersten Pressekonferenz als Präsident der 
Kirche sagte er: „Wir sind besonders stolz auf unsere 
Jugendlichen. . . . Ich glaube, wir haben nie eine stärkere 
Generation von heranwachsenden Jungen und Mädchen 
gehabt als heute. . . . Sie führen ein konstruktives Leben 
und bilden sich intellektuell und geistig. Was die Zukunft 
dieses Werks betrifft, haben wir keine Befürchtungen 
und Sorgen." (Der Stern, August 1995, 4.) 

10. LASST EUCH VOM HIMMLISCHEN VATER FÜHREN 

Als Eider Neal A. Maxwell vom Kollegium der Zwölf 
Apostel jung war, wollte er gern ein Basketballstar werden. 
Er war unter seinen Freunden der beste Basketballspieler. 
Einem brachte er sogar das Basketballspielen bei. Aber 
sein Freund wurde sehr groß und er nicht. Eins seiner 
schwierigsten Erlebnisse als Jugendlicher hatte er an dem 
Tag, als er nicht in die Basketballmannschaft seiner Schule 
aufgenommen wurde, sein Freund aber doch. 

Weil Neal Maxwell kein Sportstar wurde, wandte er 
sich den Worten zu. Dieser schwierige Augenblick in 
seinem Leben erwies sich als Segen für viele Menschen in 



DER STERN 

44 



der Kirche, die von seiner Weisheit und geistigen 
Gesinnung gelernt haben. 

Nehmt euch ein Beispiel an ihm. Nicht alle eure 
Gebete werden so erhört, wie ihr es euch wünscht. 
Aber wenn ihr dem himmlischen Vater vertraut, wird 
er euch nicht enttäuschen. 

Eine großartige Möglichkeit, in eurem Leben den 
Einfluß des Vaters im Himmel zu spüren, besteht darin, 
daß ihr euch darauf vorbereitet, in den Tempel zu 
gehen. Dort werdet ihr noch besser verstehen, welche 
Rolle ihr in seinem ewigen Plan spielt. Im Tempel 
werdet ihr Hilfe bekommen, wenn ihr Schwierigkeiten 
habt, und ihr werdet noch mehr darüber erfahren, wie 
ihr anderen Gutes tun könnt. Bereitet euch jetzt schon 
auf das vor, was noch auf euch zukommt. 

EIN NEUER BLICKWINKEL 

Sehen wir uns Dan noch einmal an, diesmal 
aber mit einer positiveren Einstellung. 

„Hallo, Dan, schön, daß du gekommen bist! Wir 
können deine Hilfe in der Basketballmannschaft 
der Gemeinde gut gebrauchen." 

„Ich freue mich, daß ich da bin." 

„Gut, wärm dich schon mal auf. Wir brauchen 
dich im Mittelfeld." 

„Okay. Ich kann mich ja vielleicht ein bißchen um 
Steve kümmern. Er wirft gute Pässe, und zusammen 
können wir vielleicht was erreichen. Die andere 
Mannschaft tut mir jetzt schon ein bißchen leid." 

Und hier ist Susan - wieder vor dem Spiegel, 
aber auch mit einer neuen Einstellung: 

„Toll, die Schleife, die Mama mir geschenkt 
hat, paßt wirklich gut zu meinen Haaren! 
Vielleicht hätte Jennifer auch gern eine. Sie würde 
gut zu der Bluse passen, die sie letzten Sonntag 
anhatte. Meine Güte! Es ist ja schon so spät, und ich 
habe doch versprochen, für die Aktivität heute abend 
meine berühmten Plätzchen zu backen!" 

Die größten Veränderungen fangen häufig mit einer 
einfachen Änderung der inneren Einstellung an. 
Hoffentlich hat diese Liste mit 10 Vorschlägen euch 
zum Nachdenken darüber bewogen, was ihr tun könnt, 
um euer Selbstwertgefühl aufzubessern. Denkt daran: 
wenn ihr eine positive Einstellung habt - zu euch selbst 
und zu anderen - zweifelt ihr weniger daran, daß ihr es 
schaffen könnt, dem Erretter nachzufolgen und ihm zu 
dienen. D 






Die größten Veränderungen fangen häufig mit 
einer einfachen Änderung der inneren 
Einstellung an. Bereitet euch darauf vor, in den 
Tempel zu gehen. Dort werdet ihr noch besser 
verstehen, welche Rolle ihr in seinem ewigen Plan 
spielt. 



MÄRZ 1999 

45 



In den Händen 
des Herrn 



Kristopher Swinson 



Ich bin als Zwerg geboren. Jetzt, mit 114 
Zentimetern, bin ich zwar größer, als zu 
erwarten war, aber ich bin immer noch ein 
Zwerg. Ich lebe als Zwerg, und ich werde als 
Zwerg sterben. 

Aber darf ich euch ein Geheimnis verraten? 
Mindestens 75 Prozent der Zeit denke ich nicht einmal 
daran, daß ich anders bin. Ich habe genau die gleichen 
Gefühle wie alle anderen auch. Und das nicht nur 
deshalb, weil ich in einer wundervollen Gemeinde und 
einem wundervollen Pfahl lebe. Ich bemühe mich 
außerdem darum, so zu leben, wie es für ein Kind Gottes 
richtig ist, und der himmlische Vater hat mich mit einer 
liebevollen Familie, guten Freunden und festem Glauben 
gesegnet. 

Letztes Jahr war ich beim Arzt. Ich sollte an der 
rechten Hüfte operiert werden, was bedeutete, daß ich 
für mehrere Monate mit einem Gipsbett rechnen mußte 
und vielleicht sogar mein letztes Jahr an der Highschool 
verpaßte. Wir wußten das seit einem Jahr, weil er mir bei 
der letzten Untersuchung gesagt hatte, meine rechte 
Hüfte sei in einem schlechten Zustand. 

Als mein Vater und ich ins Untersuchungszimmer 
kamen, hielt der Arzt die Röntgenbilder ans Licht. Er sah 
sie an und untersuchte mich, dann sah er sich noch 
einmal die Röntgenbilder an und sagte sehr überrascht, 
mit meiner rechten Hüfte wäre alles völlig in Ordnung. 
Er hätte keinen Grund, die große Operation, die er 
geplant hatte, durchzuführen. Bis auf ein paar 
Schwierigkeiten mit den Füßen wäre ich kerngesund und 
brauchte keine Operationen mehr. 

Das war für jemanden, der bereits acht große und 
mehrere kleine Operationen hinter sich gebracht hatte, 
eine große Überraschung. 

Dabei ist es mehr als wichtig, anzumerken, daß unsere 
Familie und andere vor meiner Untersuchung viel gebetet 
hatten und daß viele gute Freunde beteten und fasteten. 




Ja, meine Hüfte war wieder in Ordnung. 

Ich weiß, daß nur der himmlische Vater diese 

Heilung bewirken konnte. Ich weiß, daß ich 

durch ein Wunder geheilt worden bin, aber 

man braucht gar nicht immer ein Wunder. 

Manchmal liegt das größere Wunder darin, wie wir 

damit umgehen, wenn uns die Last nicht leichter 

gemacht wird. 

Mein Zustand hat mich Gott sehr viel näher gebracht. 
Weil ich schon so oft operiert werden mußte und mich 
dann auch von den Operationen erholen mußte, habe ich 
gelernt, zu beten - inständig und mit wirklicher Absicht, 
so wie der himmlische Vater sich unsere Gebete wünscht. 
Ohne die ständigen Operationen und die Hindernisse, 
die mich von vielen Aktivitäten abgehalten haben, würde 
ich heute viel weniger die heiligen Schriften studieren 
und mich viel mehr sportlich betätigen. 

Trotz meiner täglichen Prüfungen ist mein Leben ein 
Segen. Meine Erfahrungen sind bloß ein Beispiel dafür, 
wie der himmlische Vater unser Leben beeinflußt. Eine 
Beschreibung dessen, was der himmlische Vater für uns 
tut, finden wir in Jeremia 18:6: „Kann ich nicht mit euch 
verfahren wie dieser Töpfer, Haus Israel? - Spruch des 
Herrn. Seht, wie der Ton in der Hand des Töpfers, so seid 
ihr in meiner Hand." 

Der himmlische Vater versucht nicht, uns zu brechen, 
wie der Satan es tut. Vielmehr bemüht er sich, uns zu 
celestialen Wesen zu formen, wie er eins ist. Achten wir 
darauf, daß wir ihn nie fälschlich für den Feind halten. Er 
liebt uns mehr, als wir erfassen können. 

Wenn wir vor Herausforderungen stehen, können wir 
verbittert werden oder aber ein besserer Mensch werden. 
Ich habe die Erfahrung gemacht, daß der himmlische 
Vater um unsere Prüfungen weiß - und daß er auch weiß, 
wie er unsere Prüfungen in einen Triumph verwandeln 
kann, so schwierig oder unbequem uns das Leben auch 
vorkommen mag. D 



DER STERN 

46 



Sit- 



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Sei ein Freund 



Marissa D. Thompson 

FOTO VON STEVE BUNDERSON 



Wußtet ihr, daß der Erretter 
uns seine Freunde nannte, 
als er davon sprach, daß er 
für uns sein Leben hingeben wollte? 
(Siehe Johannes 15:13,14.) 

Nicht jeder von uns kann 
Schwester, Bruder, Vetter, Kusine oder 
Tante sein - aber wir alle können 
Freunde sein. Um einen Freund oder 
eine Freundin zu haben, muß man 
auch selbst ein Freund bzw. eine 
Freundin sein. Wie ist man denn ein 
guter Freund? Probiert doch die 
folgenden Ideen mal aus. 

• Sei ein guter Zuhörer. 

•Tratsch nicht mit deinen 
Freunden über andere. Dann wissen 
sie, daß du auch nicht über sie 
tratschst. 

•Denk an den Geburtstag deiner 
Freunde. 

•Lern deine Freunde näher 
kennen, zum Beispiel wo sie geboren 
sind, was sie gern tun und was sie 
gern essen. 

•Biete deinen Freunden Hilfe bei 
der Hausarbeit, bei den Schulauf- 
gaben oder beim Babysitten für ihre 



jüngeren Geschwister an. Solche 
Aufgaben machen immer mehr Spaß, 
wenn man sie zusammen mit einem 
Freund erledigt. 

• Wenn deine Freunde krank sind, 
dann besuch sie oder schreib ihnen 
eine Karte, damit sie wissen, daß du 
an sie denkst. 

•Ergreif die Initiative, indem du 
anbietest, bei der Planung von 
Aktivitäten oder Ausflügen zu helfen. 

• Denk an wichtige Ereignisse wie 
Wettbewerbe oder Auftritte. Nimm 
dir vor, dabei zu sein oder eine 
aufmunternde Karte zu schreiben. 

•Sprich gut über deine Freunde, 
wenn du dich mit anderen unterhältst. 

•Achte darauf, daß du nicht 
immer nur über dich redest, wenn 
ihr euch unterhaltet. 

•Hab Verständnis für die Probleme 
deiner Freunde. 

•Wenn deine Freunde dich belei- 
digen, dann sprich aufrichtig und 
freundlich mit ihnen darüber. Das 
werden sie ehrlich zu schätzen wissen. 



• Sei nicht leicht beleidigt. 

• Hab auch noch andere Interessen 
und Freunde. Alles Gute kann einem 
zuviel werden - auch ein guter Freund 
oder eine gute Freundin. 

•Konkurrenz kommt unter 
Freunden häufig vor. Ein bißchen 
Konkurrenz mag zwar ganz gut sein, 
aber zuviel kann die Freundschaft 
auch zerstören. Achte darauf, daß du 
nicht bemüht bist, alles besser zu 
machen als deine Freunde. 

•Liebe deine Freunde so, wie sie 
sind, und nicht um der Leute willen, 
die sie kennen, oder um dessen 
willen, was sie haben. 

•Achte die Privatsphäre deiner 
Freunde, und behalte Vertrauliches 
für dich. 

• Mach häufig aufrichtige Kompli- 
mente. 

• Bete darum, ein besserer Freund 
bzw. eine bessere Freundin zu werden. 

•Leb so, daß deine Freunde dem 
himmlischen Vater dafür danken, 
daß sie mit dir befreundet sind. D 





Christus bei den Gelehrten, von James Jacques Joseph Tissot (1840-1920) 

Maria und Josef machten sich Sorgen, weil sie Jesus bei einem Besuch in Jerusalem verloren hatten. Sie suchten nach ihm und fanden ihn drei 
Tage später im Tempel, wo Gelehrte ihm zuhörten und ihm Fragen stellten. Alle, die ihn hörten, staunten über sein Wissen. 

(Sifihfi Inspnh Smith Trnndntinn lnkn<; 9-4A 47 1 






Die Geschichte 
der Pioniere dei 
Kirche an der 
Elfenbeinküste berichtet 
von Opferbereitschaft 
und Ausdauer. Vor allem 
aber handelt sie vom 
Glauben an Jesus 
Christus. (Siehe 
Pioniere an der 
Elfenbeinküste", 
Seite 16.) 



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